Lafontaine attackiert Gauck

10. Juni 2010, 09:32
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"Ein Mann, der Sozialabbau befürwortet"

München - Der deutsche Ex-Linke-Chef Oskar Lafontaine hat den parteilosen Präsidentschaftskandidaten von SPD und Grünen, Joachim Gauck, außergewöhnlich scharf angegriffen. "Offenbar weiß die SPD immer noch nicht, was sie will, und präsentiert einen Mann, der Sozialabbau befürwortet", sagte Lafontaine der "Süddeutschen Zeitung" (SZ) (Donnerstag). Gauck habe gerade erst den früheren Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) für die von der rot-grünen Regierung vorgenommenen sozialen Einschnitte gelobt und praktisch eine Neuauflage der "Agenda 2010" und der Hartz-IV-Gesetzgebung gefordert, sagte Lafontaine, der 1999 als Finanzminister und SPD-Chef zurückgetreten war. "Ein solcher Mann ist für Hartz-IV-Empfänger oder Menschen mit niedrigen Renten und Löhnen als Bundespräsident unzumutbar".

"Stasi war eine Krake"

Gaucks Tätigkeit als Chef der Behörde zur Aufarbeitung der Stasi-Verbrechen in der DDR sprächen in seinen Augen nicht gegen den Präsidentschaftskandidaten, sagte Lafontaine: "Die Aufklärung der Stasi-Vergangenheit war nach der Wende erforderlich. Die Stasi war eine Krake. Heute sollte aber zählen, was ein Mann zu wichtigen politischen Fragen zu sagen hat." Gauck kenne die "soziale Dimension der Freiheit" nicht, "was er unter Freiheit und Aufklärung versteht, da stehen mir die Haare zu Berge." Lafontaine ist der Auffassung, dass aus seiner Sicht Gauck für die Linke auch in einem möglichen zweiten oder dritten Wahlgang in der Bundesversammlung nicht wählbar wäre.

Gauck kommt besser an als Wulff

Gauck kommt in Umfragen bei der deutschen Bevölkerung - auch bei den deklarierten Wählern der Linkspartei - weitaus besser an als der schwarz-gelbe Koalitionskandidat Christian Wulff (CDU). Der Bundespräsident wird am 30. Juni für fünf Jahre von der Bundesversammlung gewählt. Das Elektorenkollegium ist aus den Mitgliedern des Bundestags und einer gleichen Zahl von Delegierten zusammengesetzt, die von den Landtagen der Bundesländer entsandt werden. Neben Wulff und Gauck kandidiert die von der Linken nominierte Bundestagsabgeordnete und Ex-Journalistin Lukrezia (Luc) Jochimsen. (APA)

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