Bereits über 70 Menschen in Louisiana erkrankt

10. Juni 2010, 20:05
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Atemprobleme, Augenreizungen, Kopf- und Brustschmerzen als häufigste Beschwerden - BP will neues Absaugsystem testen

Washington - Sieben Wochen dauert die Ölpest im Golf von Mexiko schon - und inzwischen macht sie auch Menschen krank. Mehr als 70 Betroffene suchten mittlerweile allein in Louisiana ärztliche Hilfe. Sie litten unter anderem an Übelkeit, Kopfschmerzen, entzündeten Augen und Atembeschwerden, meldete die zuständige staatliche Behörde. Acht Patienten mussten in Krankenhäusern behandelt werden.

Das Leid der Tierwelt nimmt ebenfalls zu: Nach Regierungsangaben sind bis Donnerstag etwa 1.100 ölverschmierte Vögel gefunden worden, der größte Teil von ihnen tot. Viele Fischer in der Krisenregion, die ihren Lebensunterhalt verloren haben, klagen darüber, dass der Konzern BP ihre Anträge auf Schadenersatz zu langsam bearbeite.

Küstenwache will mehr Konsequenz bei Zahlungen

Küstenwachen-Admiral Thad Allen, der im Auftrag von Präsident Barack Obama die Maßnahmen im Kampf gegen die Ölpest überwacht, forderte bei einem Treffen mit BP-Vertretern am Mittwoch (Ortszeit) mehr Transparenz bei der Abwicklung der Kompensationszahlungen. BP versprach, die Prozeduren zu beschleunigen. Nach Angaben des Konzerns liegen 42.000 Anträge vor und sind teils bereits bearbeitet worden. 53 Millionen Dollar (44,0 Mio. Euro) seien schon ausgezahlt worden, hieß es am Donnerstag.

Auch bei der Bekämpfung des Öls im Wasser hat die US-Regierung bei BP die Daumenschrauben weiter angezogen. Nach einem jüngsten Washingtoner Ultimatum muss der britische Konzern bis Samstag neue Vorschläge machen, wie er das in den Golf von Mexiko strömende Öl komplett aufhalten kann. BP fängt nach Allens Angaben zwar mittlerweile mehr als 2.000 Tonnen pro Tag direkt aus der Quelle ab und leitet sie auf ein Bohrschiff, aber ein erheblicher Teil - nach Schätzungen vieler Experten sogar der größte Teil - fließt weiter ins Meer. 

BP will neues System testen

Am Wochenende will das Unternehmen ein zweites System testen, um die Menge des abgefangenen Öls auf etwa 3.800 Tonnen täglich zu erhöhen. Das Öl soll in diesem Fall auf eine Plattform gesaugt und dann verbrannt werden. Mit dem Verbrennen will BP in der kommenden Woche beginnen.

Obama will sich am Montag und Dienstag kommender Woche erneut an Ort und Stelle ein Bild von der Lage machen, außerdem schickte er seine Arbeitsministerin Hilda Solis nach Louisiana. Sie traf sich dort mit Hilfsmannschaften, die die verseuchten Küsten säubern - zum Teil auf Kosten ihrer Gesundheit. Der größte Teil der Ölpest-Kranken gehörte diesen Reinigungstrupps an. (APA)

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