Heimische Wirtschaft schrumpft leicht

10. Juni 2010, 08:19
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Erholung geht schleppend voran - BIP-Plus für zweites Quartal in Sicht

Wien - Die Krise ist noch nicht überwunden. Die Konjunktur hat sich laut Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) nach dem tiefen Einbruch von Mitte 2008 bis Mitte 2009 stabilisiert, doch "die Erholung hat noch nicht Tritt gefasst", teilten die Konjunkturforscher heute, Donnerstag, mit. Im ersten Quartal stagnierte die österreichische Wirtschaft - gegenüber dem vierten Quartal 2009 verminderte sich das Bruttoinlandsprodukt (BIP) heuer um 0,1 Prozent, gegenüber dem krisengeschüttelten ersten Quartal 2009 war noch ein marginaler Zuwachs von 0,2 Prozent zu verzeichnen.

Der private Konsum und die Exporte entwickelten sich positiv. Auch die Unternehmerstimmung in der Industrie verbesserte sich - die Auftragslage aus dem Ausland weist aufwärts und die Geschäftslage in den nächsten sechs Monaten wird optimistisch beurteilt. Allerdings springen die Investitionen nicht an und die zunehmende Inflation infolge der steigenden Rohölpreise schränkt die verfügbaren Einkommen zunehmend ein und trübt die Kauflaune der Verbraucher.

Der private Konsum erhöhte sich heuer in den ersten drei Monaten noch um 0,25 Prozent gegenüber dem vierten Quartal 2009. Der Zuwachs war nur halb so stark wie im Durchschnitt der vergangenen Jahrzehnte, aber immer noch deutlich höher als im Durchschnitt des Euro-Raumes - dort verringerte sich der Konsum um 0,1 Prozent, in Deutschland sogar um 0,8 Prozent.

Exporte erholen sich etwas

Die leichte Erholung der heimischen Exporte gegenüber dem ersten Quartal des Vorjahres um 1,9 Prozent hat bisher noch keine höheren Investitionen ausgelöst. Die Ausrüstungsinvestitionen brachen heuer in den ersten drei Monaten gegenüber dem Vorquartal um 2,4 Prozent und gegenüber dem Vorjahresquartal sogar um 12,3 Prozent zum achten Mal in Folge ein.

Als Ursache dafür nannte das Wifo die anhaltend niedrige Kapazitätsauslastung. Diese lag zwar im zweiten Quartal mit 79 Prozent merklich über dem Tiefstand vom Frühjahr 2009, aber noch unter dem langjährigen Durchschnitt und deutlich niedriger als in der Hochkonjunktur. "Damit ist bislang kein selbsttragender Konjunkturaufschwung in Gang gekommen", so die Wifo-Experten.

Äußerst uneinheitliche Konjunktursignale gehen den Angaben zufolge von der Sachgütererzeugung aus: Die Wertschöpfung stagniert. Im ersten Quartal erreichte sie den Vorjahreswert, im Vergleich zum vierten Quartal 2009 war sie heuer in den ersten drei Monaten aber sogar um 1,2 Prozent rückläufig. Der Produktionsindex lag um etwa ein Fünftel unter dem Niveau vor der Krise.

Frühindikatoren wie die Auftragseingänge und die Produktionserwartungen in der Industrie lassen laut Wifo für das zweite Quartal einen kräftigeren Zuwachs erwarten. Doch ein Aufschwung der Investitionstätigkeiten ist nicht in Sicht. (APA)

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