SVA und Ärztekammer einig - Vertragsfreier Zustand beendet

10. Juni 2010 13:09
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    Ende gut, alles gut. Ärztekammer-Präsident Dorner und SVA-Obmann Christoph Leitl beim offiziellen Handshake.

Aber noch keine Mehrheit für Beschluss - Neuer Vertrag gilt rückwirkend mit 1. Juni - Gesunde Patienten sollen weniger zahlen

Wien - Der vertragsfreie Zustand für die Gewerbetreibenden ist ab sofort zu Ende: Ärztekammer und die Sozialversicherung der Gewerbetreibenden (SVA) haben sich in der Nacht auf Donnerstag auf einen neuen Honorarvertrag geeinigt, der rückwirkend mit 1. Juni wirksam sein soll. Der Konsens wurde in einer rund siebenstündigen Verhandlungsrunde zwischen SVA-Obmann und Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl und seinem Stellvertreter Martin Gleitsmann sowie Ärztekammerpräsident Walter Dorner und dessen Stellvertreter Günther Wawrowsky bei einem Wiener Heurigen erzielt. 

Mehr Geld für Hausärzte, weniger für Labors

Geeinigt haben sich SVA und Ärztekammer auf eine durchschnittliche Erhöhung von 0,65 Prozent der Tarife. Die Anpassung erfolgt, wie bereits in der im Herbst gescheiterten Vereinbarung geplant, gestaffelt: Die Hausärzte erhalten rund 4 Prozent mehr, Labortarife werden heuer um 22 Prozent, ab 2011 um weitere 5 Prozent reduziert.

Für die rund 676.000 Versicherten der Krankenkasse, die für alle Selbstständigen in Österreich zuständig ist, bedeutet die Einigung, dass sie ab sofort wieder mit ihrer E-Card zum Arzt gehen können. Zumindest gibt es eine entsprechende Empfehlung der Ärztekammer an ihre Mitglieder, den Patienten die Abrechnung mittels E-Card zu ermöglichen, wie Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl und sein Gegenüber Ärztekammerpräsident Walter Dorner bei einer Pressekonferenz am Donnerstag sagten. Offiziell in Kraft treten soll die Vereinbarung am Montag, da zuvor noch die zuständigen Gremien zustimmen müssten. 

Noch keine Mehrheit für Beschluss

Der Vorstand der Sozialversicherung der gewerblichen Wirtschaft (SVA) hat dem in der vergangenen Nacht mit der Ärztekammer ausverhandelten Kompromiss für einen neuen Honorarvertrag zur Beendigung des vertragslosen Zustandes am Donnerstagabend einstimmig angenommen. In der Ärztekammer ist es allerdings noch offen, ob sie diesen Kompromiss billigen wird. In mehreren Landes-Ärztekammer, wo derzeit noch beraten wird, herrscht Skepsis. Eine Mehrheit in der Bundeskurie der Niedergelassenen Ärzte in der Ärztekammer, die einen Rundlaufbeschluss fassen wird, dürfte nach Informationen vorerst noch nicht ganz gesichert sein.

Kritik an neuem Vertrag aus den Ländern

Auch Jörg Garzarolli, Vizepräsident der Steirischen Ärztekammer und Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte, zeigte sich skeptisch: Beim bis Jahresende auszufeilenden Vertrag könnte "der Teufel noch im Detail" stecken, das Papier beinhalte "einige Sprengfallen", auch müssten einige Worthülsen wie z.B. Qualitätsoffensive noch mit Leben erfüllt werden.

"Erschüttert" und "mit großem Entsetzen" reagierte auch Christoph Reisner, der Präsident der Niederösterreichischen Ärztekammer, auf das Verhandlungsergebnis. "Dafür hätte man nicht verhandeln müssen. Bei solchen Resultaten ist es besser, man akzeptiert einfach sang- und klanglos das Angebot der Gegenseite", ärgerte sich Reisner.

 

Nach Gesundheit gestaffelter Selbstbehalt

Unabhängig davon haben Ärzte- und Wirtschaftskammer vereinbart, dass es ab 2012 einen neuen Gesamtvertrag geben soll, der SVA-Versicherten unter anderem flexiblere Arzt-Termine sowie ein Vertrauensarztsystem bringen soll. Außerdem ist ein Gesundheitsvorsorgesystem geplant: Erreichen die SVA-Versicherten bestimmte, mit dem Hausarzt gemeinsam festgelegte Gesundheitsparameter (zum Beispiel reduziertes Gewicht oder Cholesterinwerte), dann wird der bei jedem Arztbesuch zu bezahlende Selbstbehalt, derzeit 20 Prozent, halbiert. Ein großflächiger Pilotversuch dafür soll bereits 2011 erfolgen.

Im neuen Gesamtvertrag für die SVA ab 2012 wollen Ärzte und Wirtschaftskammer auch über ein "Disease Management-Programm" für chronisch Kranke verhandeln - also etwa bei Diabetes und bestimmten Herzerkrankungen. Derartige Vorschläge der Wirtschaftskammer hatten die Ärztevertreter zuletzt abgelehnt und vor dem Einstieg in ein standardisiertes "Managed Care"-System gewarnt.

Nur bei "Härtefällen" gibt es Kostenrückerstattung

SVA-Versicherte, die ihren Arztbesuch seit 1. Juni in bar bezahlen mussten, dürfen sich nur bedingt Hoffnungen auf eine Rückerstattung der Mehrkosten machen. SVA-Vizeobmann Martin Gleitsmann kündigte an, dass man sich "Härtefälle" ansehen werde. Schließlich hätten manche Ärzte den vertragslosen Zustand dazu benutzt, von den Patienten um 200 bis 300 Prozent erhöhte Honorare zu verlangen. Eine generelle Rückerstattung sei aber nicht möglich. Ärztekammerpräsident Walter Dorner forderte die Patienten auf, sich bei Beschwerden gegen einzelne Ärzte an ihn zu wenden.

Stöger: "Riesenerfolg für die Versicherten"

Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) hat die Einigung auf einen neuen Honorarvertrag in einer ersten Reaktion als einen "Riesenerfolg für die Versicherten" bezeichnet. Die Solidarität sei damit gewachsen, waren sich er und der Generaldirektor des Hauptverbands der Sozialversicherungsträger, Josef Kandlhofer, vor Journalisten am Donnerstag in Linz einig. Es gehe um mehr Gleichheit im Gesundheitswesen, Österreich sei "Weltmarktführer", betonte Stöger.

Damit die Versicherten "in Zukunft vor derart untragbaren Situationen geschützt sind", will der Minister, wie er selbst sagt, das Instrument einer verbindlichen Schlichtung gesetzlich verankern. Der Zeitdruck dafür sei zwar jetzt nicht mehr so groß, erklärte Stöger. "Dennoch soll das Vorhaben in einem gebotenen Zeitraum umgesetzt werden." (APA)

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11.06.2010 18:15
Zum Glück hab ich als Selbständiger

sowieso keine Zeit um zum Arzt zu gehen!

was_sagi
11.06.2010 14:56
gaanz ruhig

warum die aufregung? fakt ist, die sva und die äk haben sich geeinigt und das ist gut so. denn dies bedeutet das ende des vertragslosen zustands. und darüber haben sich ja bekanntlich und völlig zurecht auch alle aufgeregt. also abwarten und sich freuen, den spät aber doch scheint doch das wohl des patienten wieder mehr in den fokus zu rücken.

Der Post(ing)mann
 
11.06.2010 11:32

Das hört sich ja alles so nett und sinnvoll an, NUR:
wohin wird es führen?
wer definiert die zu erreichenden Ziele?
UND wer redet dabei alles mit?
was wenn manche Menschen eine andere Vorstellung von "Gesund" haben?
was wenn ich nicht jede Impfung nehmen will aber die Pharmaindustrie ihren Traum der totalen Durchimpfungsrate in diesen Zielen unterbringt?

und wie lange reden wir dann noch von "nur" 20% für die, welche sich bewußt, aus welchen Gründen auch immer, nicht an alle dieser definierten Ziele halten wollen?

Fisch im Wasser
11.06.2010 11:14
ich werfe den Stein zurück

Darf ich fragen, wieviel dann Herr Dr. Dorner, Ärztekammerpräsident (Mann im Bild links) an Strafselbstbehalt für sein Übergewicht zu zahlen hat?

Louis - der springt und es auf den Punkt bringt
11.06.2010 09:58

Das kann in gewissen Berufen aber geschäftsschädigend sein.
Wenn ein Restaurant-Besitzer schlank ist, dann spricht das nicht unbedingt für seine Küche.
Zudem: Wenn jemand an einer langen schweren Krankheit erkrankt, dann können ein paar Kilos Reserve ganz gut tun.
Müssen dann die Schlanken zur Strafe was extra zahlen?
Alles recht kompliziert.
Außerdem: Normalerweise geht man zum Arzt, wenn man krank ist.
In Zukunft muss man dann regelmässig hingehen um persönlich zu feilschen?
Na, viel Spaß mit den orientalischen Mitbürgern.

Iron Ed
11.06.2010 07:07
Anregung zur mehr Eigenverantwortung - schlecht?

Kann den derzeit noch oberflächlich bekannten Vereinbarungen durchaus positives abgewinnen. Viele polemische Poster in dem Forum halt nicht. Das ist eben so.
Die Halbierung des 20% Selbstbehalt - als Bonus für mehr Eigenverantwortung und die Bereitschaft, seinen life style "nachhaltig!" zum Positiven zu verändern - erhöht ja nicht die Beiträge für Kranke, sondern erspart Folgekosten, dadurch, dass man durch eine gesündere Lebensweise Krankheiten ev. verhindern kann, bzw. deren Verlauf positiv beeinflussen kann.
Den Bonus wird man sicher nicht kriegen, wenn man für kurze Zeit ins JO kommt, und dann wieder im JO ist - du weißt ja, die G'schicht mit dem JO-JO effekt.

Bonus bei Teilnahme an Vorsorge- und Aktivprogrammen mit Langzeiteffekt!

Interista81
11.06.2010 09:50
Vorschlag

da man mit "gesundem Lebensstil, gemessen nur am Cholesterinwert und am Gewicht (natürlich)" ohnehin allen Krankheiten vorbeugen kann, würde ich sagen, wir bilden ab jetzt keine Ärzte mehr aus sondern nur noch Personal Trainers und Ernährungsexperten ... werden wir dann alle gesund sein?!?

Interista81
11.06.2010 09:23
bleibt nur eine Frage

wenn alle Krankheiten ohnehin nur mit dem Lebensstil einer Person zu tun haben, wozu brauchen wir dann überhaupt noch Ärzte? </Polemik>

Ich find' das so bizarr, dass es immer wieder Leute gibt, die das so gut finden, wenn am Solidaritätssystem gedreht wird ...

Eisbaer14
11.06.2010 02:32
Ich will ja nur eines wissen:

Wenn die Ärzte tatsächlich etwas Sinnvolles vorschlagen, dann wird es sein, dass man nur mehr höchstens 8h pro Tag arbeiten soll.

Damit kriegt dann keiner die 10%, weil darauf niemand einsteigen kann.

Naschgul
11.06.2010 09:17

Den Selbstbehalt hebt die SVA ein, nicht die Ärzte.

Alexander Patjomkin
10.06.2010 22:56
Das Gesungheitswesen hat - ausser dem aufwendigen Verwaltungsapparat-,

drei grosse Lücken_
- das Fehlen von erfolgsmotivierender Dotation der Ärzte,
- das Fehlen von Gesundheitsdisziplin im allgemeinen (vor allem von Patienten),
- das Fehlen von Vorbeugungsmentalität und dementsprechndes System.
Die Kosten könnten sicherlich halbiert werden,
mit gesunderer Bevölkerung noch dazu.

Louis - der springt und es auf den Punkt bringt
11.06.2010 09:59

Aber dann werden sie älter und belasten das Pensionssystem.

Alexander Patjomkin
10.06.2010 22:49
Ich fürchte, dass diese Einigung nur eine vorübergehende ist.

Beide Partner wollten was aufzeigen. Das dicke Ende kommt in 2012, als der langrfistige Vertrag ausgehandelt wird..

I man i tram
10.06.2010 22:46
Wer brav betet

bleibt gesund - Aids ist ja zB bekanntlich eine Strafe Gottes!


MIR KOMMT DAS KOTZEN!
Wir kommen wieder in Zeiten, wo Krankheiten und Behinderungen nichts anderes als Strafen Gottes sind.
Und der Kaiser ist bekanntlich von Kaiser GOTTES GNAAAADN!

Also: Auch ein bisserl brav sein! Gelt?

Naschgul
11.06.2010 09:19

Meine Güte, was ist jetzt bitte so schlimm daran, wenn man angehalten wird, ein bissl gesünder zu leben? Wenn ich mir die Leute auf der Straße so anschaue, dann schadet es den wenigsten, ein wenig mehr auf sich zu achten. Manche Krankheiten sind durchaus selbst verschuldet, z.B. durch ungesunden Lebensstil. Wie diese Präventionsgeschichte im Endeffekt umgesetzt wird, wird man sich anschauen müssen, aber gleich hysterisch zu werden, bringt gar nichts.

Interista81
11.06.2010 09:43
"ein wenig mehr auf sich zu achten"

aha und das "ein wenig mehr auf sich zu achten" wird nur am Gewicht und am Cholesterienwert ausgemacht??? Wer nicht merkt, in welche Richtung man hier versucht, zu gehen, ist mMn etwas naiv, to say the least ...

Naschgul
11.06.2010 10:45

Natürlich kann man sich nicht nur auf Gewicht und Cholesterin alleine konzentrieren, und man kann natürlich auch nicht davon ausgehen, dass alle Krankheiten selbst verschuldet sind. Manche sind es durchaus. Ob das von Ärztekammer und SVA angedachte Modell tatsächlich im Interesse der Patienten ist oder ob man die Leute damit nur steuern will, muss natürlich auch diskutiert werden. Hysterisch aufzuschreien, dass wir jetzt wieder in vorsintflutliche Zeiten verfallen, wo Krankheiten als göttliche Strafen angesehen wurden, ist ebenso wenig angebracht wie kritikloses Bejubeln des Modells. Herrschaftszeiten, muss man eigentlich dauernd dazusagen, dass Schwarz-Weiß-Denken nix bringt?

I man i tram
11.06.2010 14:39
Wehret den Anfängen

"man kann natürlich auch nicht davon ausgehen, dass alle Krankheiten selbst verschuldet sind. Manche sind es durchaus."
. . . aber KEINE AUSSCHLIEßLICH DAVON. Und wie trennt man das?
Früher Juden, Zigeuner etc. heute Raucher und Blade . . .
Mögen Sie so gesund bleiben, wie Sie leben . . .

PS: Dass ich täglich lange schlafe (8h+) und sicher nicht an Burn-Out verrecke, ist den heutigen Gesundheits-Päpsten schnuppe. Denn dieses Patientenbild ist nicht heute nicht häufig genug.

Interista81
11.06.2010 11:01
absolut richtig

weder das eine, noch das andere hilft weiter. Mir persönlich gefällt dieser Gedanke aber eigentlich nur aus einem Aspekt heraus nicht, denn für mich ist das schon so eine Art von "Einstieg in den Ausstieg", sprich der Anfang vom Unsozialversicherungssystem, bei dem dann jede Krankheit auf Ursache überprüft und dann über mögliche Leistungen entschieden wird ... Das möchte ich in Österreich jedenfalls nicht sehen.

Naschgul
11.06.2010 11:18

Das wird man sich eben anschauen müssen, ob es wirklich darauf rausläuft oder ob die Herren mal im Sinne der Patienten gehandelt haben und tatsächlich an einer Verbesserung der Gesundheit interessiert sind.

Der Post(ing)mann
 
11.06.2010 11:34

Das wird man sich allerdings anschauen müssen...

sociovation
10.06.2010 22:22
4% Gehaltsaufbesserung

Davon träumen die Ordinationsgehilfinnen, zahnärztlichen Assistentinnen schon seitdem es sie gibt.
Ach so: Die bekommen jetzt auch 4% mehr, na dann...
Was, doch nicht?!?!
Eltern, die ihrer Tochter eine Ausbildung zur zahnärztlichen Assistentin erlauben, gehören eigentlich die Kinder abgenommen...

Sarepta
11.06.2010 07:05
Und?

Di ham e a n lockeren Job

romagnolo
10.06.2010 21:41
was regts euch denn alle so auf?

Das ganze ist eine typische österreichische bsoffene Gschicht, das Papier nicht wert, das eh noch nicht beschrieben wurde. Es kommt ohnehin nicht so, wie es hier verzapft wird, sondern es wurde nur mal vor der Sommerpause kalmiert, damit weder Politik noch sonstwer in seinem Sommerfreiden gestört wird. Auf in die Ferien!

Jim Kirk
10.06.2010 19:54

Ich hoff der dorner ist bei der wgkk versichert denn in den genuss der jetzt ausgehandelten selbstbehaltsreduktions beim einhalten definierter gesundheitsziele wird er wohl nie kommen.

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