Großrazzia in Spitälern

9. Juni 2010, 21:10
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Falsche oder überflüssige Behandlungen und gefälschte Abrechnungen

Berlin - Die Berliner Polizei hat in einer Großrazzia mehrere Krankenhäuser durchsucht und drei leitende Mitarbeiter verhaftet. Es geht um den Vorwurf falscher oder überflüssiger ärztlicher Behandlungen und gefälschter Abrechnungen. Betroffen waren nach Polizeiangaben vom Mittwoch drei Krankenhäuser des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) sowie eine Privatklinik. Es soll ein Schaden in Millionenhöhe entstanden sein. 150 Beamte und drei Staatsanwälte waren mehrere Stunden im Einsatz.

Die Staatsanwaltschaft wirft den Kliniken "banden- und gewerbsmäßigen ärztlichen Abrechnungsbetrug" vor. Verhaftet wurden die Geschäftsführer der DRK-Gesellschaft und der Chefarzt der Radiologie im Krankenhaus Mitte. Die Krankenhausgesellschaft bestätigte die Ermittlungen, wollte sich zu Einzelheiten zunächst aber nicht äußern. "Wir kooperieren und unterstützen die Untersuchung", sagte eine Sprecherin.

Die Ermittler durchsuchten den Firmensitz der DRK-Kliniken, die drei DRK-Krankenhäuser, ambulante Behandlungszentren sowie eine Privatklinik, zudem 18 Wohnungen in Berlin und vier außerhalb der Hauptstadt.

Seit 2005 sollen Assistenzärzte für medizinische Behandlungen eingesetzt worden sein, die dann auf Weisung der Geschäftsführer als Facharztbehandlungen abgerechnet wurden. Die Assistenzärzte seien für die "ärztlichen Spezialleistungen" nicht qualifiziert und nicht zugelassen gewesen.

Angebliche Körperverletzung

Weiters ermitteln Polizei und Staatsanwaltschaft wegen des Vorwurfs der Körperverletzung. Die Assistenzärzte sollen "körperliche Eingriffe" in der Radiologie vorgenommen haben - ohne fachliche Aufsicht und obwohl sie dafür nicht ausreichend ausgebildet waren. Zudem soll es doppelte Untersuchungen gegeben haben, die medizinisch nicht nötig waren, aber abgerechnet wurden.

Die DRK-Kliniken Berlin sind nach eigenen Angaben ein gemeinnütziger Verbund mit fünf Krankenhäusern und einem Pflegeheim. 3500 Mitarbeiter sind für 200.000 Patienten im Jahr zuständig. Die Kliniken gehören rechtlich zur DRK-Schwesternschaft Berlin, einem Mitgliedsverband des DRK. Das Berliner Rote Kreuz wies am Mittwoch darauf hin, dass die Kliniken nicht zu ihrer Organisation gehören. (dpa, DER STANDARD Printausgabe 10.6.2010)

 

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