"Lesesteinhaufen" & fledermausfreundliche Dachböden

9. Juni 2010, 21:00
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Wiesen mähen nach ökologischen Kriterien - Tunnelbauprogramm für Erdkröten-Rettung - Wiener werden zu Artenschützern

Wien - "Lesesteinhaufen" waren früher einmal jene steinernen Hügel, die am Rand der Weingärten entstanden, wenn die Winzer ihre Riede von Steinen befreiten. Jetzt werden diese "Lesesteinhaufen" in Wien-Mauer und Döbling ganz bewusst wieder aufgeschlichtet - und die Smaragdeidechsen haben wieder ihre Sonnenterrassen.

Nur ein Beispiel für Artenschutz in Ballungsräumen. Und eine Großstadt ist an sich tendenziell lebensgefährlich - für Tier- und Pflanzenarten. Wenn Häuser gebaut, Straßen asphaltiert und Tunnel gegraben werden.

"Leitsysteme" retten Erdkröten

Es sei denn, die Tunnel werden extra für die Tiere gebuddelt. "Erdkröten sind nicht gerade Kuscheltiere" , weiß Karin Büchl-Krammerstätter, Leiterin der Wiener Umweltschutzabteilung. Trotzdem erfreuen sie sich bei einigen Vertretern der humanoiden Stadtbevölkerung einer außerordentlichen Beliebtheit. Da gab es "Freiwilligenaktionen, bei denen die Kröten über die Straße getragen wurden" , erinnert sich Umweltstadträtin Ulli Sima (SP). Inzwischen retten sie allerdings Tunnellagen und sogar "Leitsysteme" , etwa im Prater und am Exelberg, vor dem Zermatschgern.

Geschützter Grünraum

Ein Vorteil für die Wiener Arten: Mehr als 50 Prozent der Fläche innerhalb der Stadtgrenzen sind Grünraum, rund ein Drittel steht unter strengem Schutz.

Wiesen mähen nach ökologischen Kriterien

Wobei aber "Wiesen nicht gleich Wiesen sind" , differenziert Wiens Forstdirektor Andreas Januskovecz. Wird zu häufig gemäht, ist für viele Tiere im Gras Sense. Daher wird auf Wiesen, die vom Forstamt betreut werden, nicht nach wirtschaftlichen Ertrags-, sondern nach ökologischen Kriterien nur zu bestimmten Zeitpunkten gemäht.

Einflugschneisen für Fledermäuse

Viele Maßnahmen sind allerdings nur dann erfolgreich, wenn auch Teile der Bevölkerung zur Artenschutzmacht werden. Wenn etwa bei Dachbodenausbauten auf Einflugschneisen für Fledermäuse Bedacht genommen wird. Immerhin flattern 21 von 26 österreichischen Fledermausarten (auch) in Wien.

Fest der Artenvielfalt in Mauer

Am kommenden Samstag, 12. Juni, dem "Tag der Artenvielfalt" kann man sich auf der Pappelteichwiese in Mauer beim "Fest der Artenvielfalt" Tipps von Experten holen, aber auch Raritäten für den Obst- und Gemüsegarten erstehen (13 bis 18 Uhr). (Roman David-Freihsl, DER STANDARD Printausgabe 10.6.2010)

 

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    In Wien leben 21 von 26 österreichischen Fledermausarten

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