Nordkorea will Brasilien schlagen

9. Juni 2010, 20:56
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"Es wird schwierig, aber wir gewinnen", prophezeit Stürmer und Japan-Legionär Jong Tae-Se

Tembisa - Nordkorea will mit deutschen Tugenden bei der Fußball-WM für eine Sensation sorgen. "Unsere Mentalität ist wie die deutsche, wir haben den deutschen Geist", sagte Jong Tae-Se. Der bekannteste Spieler in der Auswahl des Außenseiters war der erste aus dem abgeschotteten Team, der sich in Südafrika überhaupt äußerte.  "Es wird schwierig gegen Brasilien, aber wir werden gewinnen", präzisierte der "Rooney Asiens" mit Blick auf das erste Spiel seines Teams gegen den Rekord-Weltmeister am Dienstag. "Niemand glaubt an uns, aber unsere Herzen sind tapfer, und unser Geist ist stark. Das hilft uns, das Wunder zu verwirklichen."

Der 26 Jahre alte Stürmer, der bei Kawasaki Frontale in der japanischen J-League spielt und sich lieber mit Didier Drogba als mit Rooney vergleicht, will die WM zudem als PR-Tour für sein Land nutzen. "Nordkorea ist für viele ein Mysterium, niemand weiß etwas über unser Land. Politik und Sport sind verschiedene Dinge. Wir wollen das Image Nordkoreas ändern", sagte Jong.

Dieses Vorhaben war den Nordkoreanern bei ihrer bislang einzigen WM-Teilnahme 1966 in England auf wundersame Weise gelungen. Damals gewann die Mannschaft ihr letztes Gruppenspiel gegen Italien nach einem Tor von Pak Do-Ik mit 1:0 und warf den Favoriten aus dem Turnier. Im Viertelfinale verließen die Asiaten, die mit ihrer unkonventionellen Spielweise mitten im Kalten Krieg die Herzen der englischen Fans erobert hatten, die Kräfte. Sie verloren nach einer 3:0-Führung zur Halbzeit gegen Portugal mit Weltstar Eusebio noch 3:5. Dennoch wurden die Schützlinge von Trainer Myung Re-Hyung wie Volkshelden in der Hauptstadt Pjöngjang empfangen.

"Ich bin mit den Bildern von 1966 aufgewachsen. Ich möchte genauso sein", sagte Jong. Vor der Endrunde vor 44 Jahren hatte der Staatsgründer und langjährige Präsident Kim Il-Sung der Mannschaft eine unmissverständliche Ansage mit auf dem Weg gegeben."'Der große Führer hatte uns befohlen, ein oder zwei Spiele zu gewinnen", sagte Volksheld Pak Do-Ik Jahre später. Ob Kim Jong-Il, der nach dem Tod seines Vaters 1994 die Macht in dem bettelarmen, von Misswirtschaft und Hungersnot gebeutelten Land übernommen hat, ähnliche Forderungen stellt, ist unbekannt.

Nordkorea hat in Südafrika bislang weder ein öffentliches Training absolviert noch zu einer Pressekonferenz eingeladen. Am Montag wurde Journalisten verboten, das Training zu verfolgen und mit Spielern zu reden. Schon vor der WM bekamen Journalisten von sorgsam ausgewählten Funktionären und Spielern weitgehend Nichtssagendes vorgesetzt.

Wie 1966 wäre auch in 2010 Nordkoreas Qualifikation für die K. o.-Runde eine Sensation. Weitere Gegner in der Gruppenphase sind die Elfenbeinküste und Portugal. Den Beweis, dass sie in der "Todesgruppe" G tatsächlich zu einem Wunder fähig sein könnten, blieben die Nordkoreaner bisher schuldig. Das letzte Testspiel gegen Nigeria verlor das Team am Sonntag mit 1:3. Immerhin: Hoffnungsträger Jong Tae-Se erzielte das Tor. (sid/red)

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    Es wird wieder Zeit für ein Wunder, findet Nordkoreas Jong Tae Se.

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