"Ein Mörder hebt das Telefon nicht ab"

9. Juni 2010, 18:51
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Adoptivsohn soll oststeirische Bäuerin mit einer Axt getötet haben

Graz - Der jüngere der beiden Brüder soll eine oststeirische Bäuerin mit einer Axt getötet haben. Sein älterer Bruder - der Adoptivsohn des Opfers - wird beschuldigt, die Tat in Auftrag gegeben zu haben. Der Ältere hat bisher jeden Zusammenhang mit der Tat geleugnet, während sein Bruder bereits geständig war. Am Grazer Straflandesgericht wurde am Mittwoch der Prozess gegen die beiden Pakistani fortgesetzt.

Zur Bluttat angestiftet

Zu Beginn des dritten Verhandlungstages wurde erneut der 37-jährige Angeklagte befragt, der seinen Bruder zu der Bluttat angestiftet haben soll. Er selbst war zum Zeitpunkt des Mordes in Pakistan, hat aber von dort aus versucht, sich über Zugverbindungen nach Italien zu informieren. Er hatte bei der Polizei zuerst angegeben, sein Bruder sei dort gewesen, als der Mord passierte.

Alibi für den Bruder

Nach Ansicht des Staatsanwalts wollte der Mann auf diese Weise dem 31-Jährigen ein Alibi verschaffen. "Ich wollte nur überprüfen, ob seine Angaben stimmen", rechtfertigte sich der Beschuldigte. "Ich verstehe überhaupt nicht, wieso Sie Ihren Bruder verdächtigt haben, er hatte ja überhaupt kein Motiv", zeigte sich Richterin Elisabeth Juschitz von diesen Angaben wenig überzeugt.

Ein Mörder hebt nicht ab

Am Abend der Tat war mit dem Telefon der Ermordeten ein Gespräch geführt worden. Nach Meinung von Staatsanwalt Hansjörg Bacher hatte der jüngere Bruder nach der Tat auf den vereinbarten Anruf des Bruders aus Pakistan gewartet. "Ich habe mit ihr gesprochen, es war wegen des Schnees", behauptete hingegen der Angeklagte. "Ihre Mutter war zu diesem Zeitpunkt bereits tot. Es ist nicht möglich, wie man es auch dreht und wendet", antwortete der Ankläger. "Ich sage die Wahrheit, ich habe mit meiner Mutter telefoniert. Ein Mörder hebt auch das Telefon nicht ab", beharrte der Beschuldigte auf seiner Version. "Außer er weiß, dass jemand anruft, der Auftraggeber nämlich", so der Staatsanwalt.

"Sie hat die Attacke völlig überrascht über sich ergehen lassen müssen", schilderte Gerichtsmediziner Peter Grabuschnigg den Angriff. Die 74-Jährige habe nicht einmal Abwehrbewegungen gemacht. Der Prozess wird am Donnerstag, fortgesetzt. (APA, DER STANDARD Printausgabe 10.6.2010)

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