US-Wahlsaison hat begonnen

9. Juni 2010, 18:40
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Frauen mit Wirtschaftserfahrung dominieren Primaries

Weibliche Kandidaten haben sich bei den Vorwahlen in den Vereinigten Staaten, einem wichtigen Stimmungstest vor der Parlamentswahl im November, klar durchgesetzt. Am markantesten gelang ihnen das in Kalifornien, dem bevölkerungsreichsten Bundesstaat.

Dort gewann Carly Fiorina, Ex-Chefin von Hewlett-Packard, die Auslese der Republikaner für das Duell um einen Sitz im US-Senat. Sie geht damit im Herbst gegen die Senatorin der Demokraten, Barbara Boxer, ins Rennen. Die Vorausscheidung der Konservativen um das Amt des kalifornischen Gouverneurs entschied Meg Whitman für sich, die das Auktionshaus Ebay von bescheidenen Anfängen zu einem Riesen mit Milliardenumsatz ausbaute. Die 53-Jährige, die 70 Mio. Dollar aus eigener Tasche in ihren Wahlkampf steckte, wird gegen den populären Demokraten Jerry Brown antreten, der das Amt von 1975 bis 1983 schon einmal innehatte. Es geht um die Nachfolge Arnold Schwarzeneggers, der nicht mehr kandidieren darf.

Während Fiorina und Whitman ihre Wirtschaftskompetenz in die Waagschale warfen, machte sich die erzkonservative Sharron Angle in Nevada den Aufschwung der Tea Party zunutze. Die ehemalige Lehrerin profitiert von einer Stimmung, in der sich die Sorge über rasant anwachsende Haushaltsdefizite in populistischen Attacken gegen das Establishment in Washington ein Ventil sucht. Die Tea Party, nach Barack Obamas Wahlsieg als nostalgische, erzkonservative Graswurzelbewegung entstanden, stärkt Angle demonstrativ den Rücken. Im November duelliert sich Angle mit Harry Reid, dem Fraktionschef der Demokraten im Senat. Ein Sieg über Reid, wenn auch offiziell auf dem Ticket der Republikaner errungen, wäre der bisher größte Coup der Tea Party.

In Arkansas gelang es der demokratischen Senatorin Blanche Lincoln, Bill Halter bei den Primaries in die Schranken zu weisen. Für Halter hatten sich Gewerkschaften und Linke ins Zeug gelegt, während Bill Clinton, als Lokalmatador in Arkansas noch immer verehrt, die Werbetrommel für Lincoln rührte. (Frank Herrmann Herrmann aus Washington/DER STANDARD, Printausgabe, 10.6.2010)

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