Es ist schon wieder gestern

10. Juni 2010, 17:06
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Das Album "Teen Dream" von Beach House

Der Terminus "Dream Pop" gewährt zumindest zwei Deutungsmöglichkeiten. Eine davon lautet Musik zum Einschlafen. Dagegen ist nichts zu sagen - vorausgesetzt, eine akustische Schlaftablette ist beabsichtigt. Die aus dem US-Bundesstaat Maryland kommende Formation Beach House bewegt sich mit ihrer Kunst also tendenziell auf einem schmalen Grat, wobei sie meistens die Kurve kriegt und träumerische, mitunter gar schwelgerische Musik produziert. Im heurigen Jänner ist ihr drittes Album Teen Dream erschienen, nun hat es offiziell auch Österreich erreicht.

Beach House besteht im Wesentlichen aus Victoria Legrand und Alex Scally, live erweitert man um einige Freunde aus Indiehausen, um den dicht verwobenen Pop auch möglichst engmaschig an seine Empfänger zu transportieren. Dabei ist (fast) jedes Mittel recht. Denn wer sich Teen Dream auf Vinyl anschafft, wird spätestens bei dem zum "Hit" gewordenen Norway zum Plattenspieler eilen, um zu kontrollieren, ob alles stimmt. Denn die Strandhausbewohner lassen die Orgel hier mächtig eiern, was letztlich klingt wie eine Schallplatte nach einem un- gesunden Sonnenbad. Elektronisches Schlagzeug, eine schöngeistig insistierende Orgel sowie der helle bis fistelige Gesang der beiden Hauptdarsteller, der im Falle von Alex Scally oftmals an den Sänger der finnischen Band 22-Pistepirkko erinnert, zählen zu den wesentlichen Charakteristika der Band. Und jemand wie der Wiener Elektronik-Melancholiker B. Fleischmann könnte bei Beach House jeden Tag anklopfen und Aufnahme finden.

Manche Songs erinnern an die wesensverwandten Grizzly Bear, was dem Beach House stellenweise einen konstruktivistisch-anämisch Anstrich verpasst. Muss man mögen. Andererseits darf man sich Beach House als zeitgenössische Inkarnation von Mazzy Star vorstellen, so etwas wie Säulenheilige des verträumten Pop, der seine Wurzeln in den Sechzigern und Siebzigern hat, also die Beach Boys ebenso beleiht wie die Carpenters. "It's yesterday once more"! (flu / DER STANDARD, Printausgabe, 11.6.2010)

 

Beach House: "Teen Dream" (Bella Union / Universal)

  • Verträumte Schöngeister ohne Angst vor langer Weile: Beach House.
    foto: universal

    Verträumte Schöngeister ohne Angst vor langer Weile: Beach House.

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