Im ORF ist "irgendwie alles durcheinander"

9. Juni 2010, 18:15
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Auf einen Vertrag für Samstagstalk und neues Wellnessmagazin wartet Barbara Stöckl seit Jänner - Ab Herbst: "Bewusst gesund"

STANDARD: Beim ORF-Sparen kamen Sie zum Handkuss. Was steuern Sie zum besseren Betriebsergebnis des ORF bei?

Stöckl: Indem wir Stöckl am Samstag umstrukturieren. Unser Vorschlag war, Beiträge zu kürzen und zusätzlich ein Gesundheitsmagazin zu produzieren. Wir hätten die Möglichkeit, Themen im Talk anzudiskutieren und danach medizinisch zu vertiefen. Das wollte aber der ORF nicht. Das Magazin soll eine leichte, wellnessmäßige Anmutung haben. Als Moderatorin habe ich damit zwei Probleme: Dafür stehe ich nicht, und es ist formal keine Herausforderung. Man sagt zu uns, Stöckl am Samstag sei eine gute Sendung zum falschen Termin. Stimmt, wir sind falsch platziert. Es ist halt so.

STANDARD: ... und bleibt so: Am falschen Platz ändert sich nichts.

Stöckl: Das Problem hat nicht nur diese Sendung. Wenn Plan und Wirklichkeit auseinanderlaufen, ist der Plan falsch. Wir gehören in die Nacht.

STANDARD: Dort waren Sie.

Stöckl: Und wir hatten gute Quoten, bis die damalige Führung entschied, nach 23 Uhr keine Eigenproduktionen zu senden.

STANDARD: Sparzwänge, damals wie heute?

Stöckl: Ja, der ORF muss sparen. Trotzdem glaube ich, dass Geld nicht alleine das Problem ist. Es ist wie in der richtigen Welt. Menschen und soziale Themen brauchen ein Forum. Solche Lebenswege anzuschauen kann auch sehr ermutigend sein. Ich brenne für diese Inhalte. Ich würde meinen, so etwas hat im Fernsehen stattzufinden.

STANDARD: Seit zwei Jahren wissen Sie sich am falschen Sendeplatz ...

Stöckl: ... und seit zwei Jahren verhandeln wir. Im ORF sitzen auch verdammt gute Menschen, die willig und kooperativ sind. Es ist bloß irgendwie alles durcheinandergeraten.

STANDARD: Fühlen Sie sich vom ORF abgeschoben?

Stöckl: Das Ende von Help-TV war ein bitteres. Ich halte das heute noch für einen falschen Entschluss. Speziell in Zeiten der Krise ist wäre der Sendungstitel eine extrem starke Marke. Mein Produktionsteam ist meine Familie, deshalb bin ich Kompromisse eingegangen, die ich alleine nicht gemacht hätte. Das Angebot, das Gesundheitsmagazin mitzuproduzieren, ist so ein Kompromiss.

STANDARD: Dominic Heinzl kam leichter zu seinem Geld. Stört das?

Stöckl: Ich bin da vollkommen neidlos. Programmentscheidungen müssen mutige Entscheidungen sein. Ich wünsche mir vom ORF mehr davon.

STANDARD: Zumindest erhielt er einen großzügigen Vertrag.

Stöckl: Wir haben seit Jänner gar keinen. Wir sind in allem einig, halten ihn aber noch nicht in Händen. Er ist auf einer langen Reise durch den ORF. Was schmerzt, weil so lange auch kein Geld fließt.

STANDARD: Können Sie die Rechnungen noch zahlen?

Stöckl: Ich habe mir Gott sei Dank Geld erspart in meinem Leben. Es ist nicht mehr lustig. Auch, weil ein komisches Miteinander eintritt: Vielen Leuten am Küniglberg ist es selber schon unangenehm. (Doris Priesching/DER STANDARD; Printausgabe, 10.6.2010)

Zur Person:

Barbara Stöckl (47) moderierte "Okay", "Millionenshow" und "Help-TV". Samstags, 16.05 Uhr, läuft "Stöckl am Samstag".

  • "Menschen und soziale Themen brauchen ein Forum": Moderatorin Barbara Stöckl sieht sich am falschen Sendeplatz.
    foto: standard/hendrich

    "Menschen und soziale Themen brauchen ein Forum": Moderatorin Barbara Stöckl sieht sich am falschen Sendeplatz.

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