Einserkastl RAU

Grünes Harakiri

9. Juni 2010, 17:50

Die Welt braucht die Grünen, irgendwie - Auch die kleine österreichische Welt

Die Welt braucht die Grünen, irgendwie. Auch die kleine österreichische Welt. Keine Partei ist so verlässlich gegen rechts außen, vor allem in der "Ausländerfrage" . Auf lokaler Ebene sorgen sie oft dafür, dass gedankenloses Drüberbetonieren gebremst wird. Man soll das nicht unterschätzen. Das ist Lebensqualitätssicherung im Alltag. Die Großparteien wollen jetzt auch grün sein, aber wenn es konkret wird mit dem Bauprojekt in der Grünzone oder mit fragwürdigen Straßenbauten, dann sind ÖVP und SPÖ gern zur interessengesteuerten Umwidmung bereit.

Möglicherweise liegt die Stärke der Grünen in diesem lokal-regionalen Bereich, denn bundespolitisch fehlt ihnen eine Dimension. Wir bräuchten dringend eine Partei, die die lähmende Einfallslosigkeit, Drögheit und Ängstlichkeit der regierenden Flachmänner unter ständiger Attacke hält. Von wem sollen sonst unkonventionelle Ideen kommen? Soll aber anscheinend nicht sein. Und in Wien sind die Grünen sogar dabei, auf der lokalen Ebene ihre Erfolge zu verspielen.

Seit der letzten Bezirkswahl hat der achte Bezirk, die bürgerliche Josefstadt, eine grüne Mehrheit. Im Moment sprengen sie die gerade mit einer Führungsintrige in die Luft. Das grüne Fußvolk verteilt inzwischen brav Teströhrchen für Blei in den alten Hauswasserleitungen des Bezirks, eine Maßnahme praktischer Politik. An sich braucht die Welt die Grünen. Aber das garantiert nicht ihr Überleben. (Hans Rauscher, DER STANDARD, Printausgabe, 10.6.2010)

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Ignatius von Stein
02
10.6.2010, 16:12
...

Nein Herr Rauscher, die Welt braucht wirklich keine Grünen mehr. Die hatten ihre Zeit und gaben der Politik zweifelsohne Impulse. Heute ist das eine Wohlfühlcommunity mit völlig weltfremden TypInnen inside. Die kümmern sich nicht um Probleme der Gesellschaft, die kümmern sich um Nichtraucherlokale, die kümmern sich um -Innen, aber nicht um Frauen und die kümmern sich um Ausländerpolitik in der Theorie, aber nicht um Ausländer, die am Boden angekommen sind. Diese Grünen braucht wahrlich kein Mensch mehr.

Warentester
00
10.6.2010, 21:53

Naja, ich bin auch eher der Meinung das die Welt irgendwie die österr. Grünen braucht. So wie sie irgendwie Sackratten braucht.

Eine Partei die in Umweltpolitik und Umweltschutz hingegen ihre Kernkompetenz sieht wäre hingegen kein Schaden. Die Grünen tun das, trotz ihres Namens, ja schon lange nicht mehr.

Just N. Opinion
16
10.6.2010, 13:18
deutlich notwendiger als die gruenen

braeuchte die kleine oesterreichische hausmeisterwelt eine liberale partei. aber da sei die kronenzeitung vor!

Ingrid Goeschl1
00
10.6.2010, 18:20

War Ihnen Grasser nicht liberal genug?

Major Nelson
 
00
13.6.2010, 21:50
Was hat der denn mit liberal zu tun?

"Liberal" geht auf das lateinische "liberalis" ("eines freien Mannes würdig; edel, vornehm, anständig") zurück und kam im ausgehenden 18. Jahrhundert als französisches Fremdwort in den deutschen Sprachraum. Hier bedeutet es "frei" und meint einen jener Werte, den die Französische Revolution erkämpft hatte.

Im politischen Sprachgebrauch bezeichnet "liberal" bis heute die Sicherung der persönlichen Freiheit jedes Menschen. Freiheit ist hier gleichbedeutend mit Individualismus. Der Begriff zielt auf den Einzelnen ab und richtet sich gegen ihm auferlegte Zwänge. Als politischer Begriff ist "liberal" der Gegenbegriff zu "fremdbestimmt".

x aeins
01
10.6.2010, 13:54

sehen sie ´s pragmatisch: wenn mit "liberal" niemand was anfangen kann (obwohl das sehr weitläufig definierbar wäre),dann brauchens die Leut anscheinend auch nicht
ein Westerwelle ist ja jetzt eher ein abschreckendes Beispiel

dölerich hirnfidler
31
10.6.2010, 12:18

naja, seit die grünen im neunten de facto das sagen haben (die schwache sp-bezirkschefin treiben sie vor sich her) wurde noch nie soviel betoniert und ver-castrop-rauxelt wie jetzt. politische vision: gemeinsames gärtnern im öffentlichen raum, bei der radiesschen-sucht soll integration gelebt werden. bumm, die idee hatte horst schreber schon im vorvorigen jahrhundert. weltstadt, schau oba ....

Jene Grüne Straßenkatze
12
10.6.2010, 11:57
"Führungsintrige"?

Ja, die Grünen wählen gelegentlich selbst ihre Spitzenleute ab. Das kann befremdlich wirken, vor allem wenn man gewohnt ist, dass Parteien KandidatInnen hinter verschlossenen Türen bestimmen, um sie dann zur Absegnung mit 97%+ Stimmen dem Parteitag vorzusetzen.

Und natürlich werden so oft gerade vor Wahlen Spitzenleute abgesägt, und die Hintergründe sind oft nicht ganz klar. Das hat Nachteile und kostet schon mal Stimmen.

Dennoch denke ich, dass ein wesentlich demokratischeres Vorgehen, als es alle anderen Parteien haben, nicht unbedingt korrekt mit "Führungsintrige" beschrieben werden kann, auch wenn der gelernte Österreicher grundsätzlich dazu tendiert, Autorität in Form einer Führung sympathisch zu finden.

x aeins
02
10.6.2010, 12:25

ja,aber ein noch so "demokratisches" Vorgehen nützt nicht, wenn es zu keiner Verbesserung führt
Beispiel: die "Voggenhuberklasse" gegen eine "Lunacekklasse" auszutauschen - wie "demokratisch" das auch gewesen sei...

Ingrid Goeschl1
00
10.6.2010, 18:22

Offenbar hat aber die Mehrheit Frau Lunacek als eine Verbesserung gegenüber Voggenhuber gesehen.

Ist es wirklich so schwierig, eine Mehrheitsentscheidung zu akzeptieren?

x aeins
00
10.6.2010, 18:29

keineswegs
ich dachte nur, Grün will wachsen - aber wenn sie lieber schrumpfen wollen?

dölerich hirnfidler
23
10.6.2010, 12:13

so demokratisch wie in mariahilf? wo gschwind eine riesige meldeschein-kommune aus lauter grün-mitgliedern in der wohnung einer putschistin gegründet wird, damit man den unliebsamen bezirkschef los wird? damit promis kommen können, die sich eigentlich im bezirk nicht auskennen und ihr interesse an grüner politik im sechsten mit "wegen der vielen lokale" "auf der mariahilferstraße kann man super einkaufen" begründen? die grünen sind viel, aber sicher nicht demokratischer als andere altparteien.

darkblue2
12
10.6.2010, 11:53

die grünen leben in der grünen scheinwelt neubaus; echten problemen stellen und stellten sich die grünen nie; echte problembezirke sind in der regel grün-frei, weil sich auch die grünen lieber in szene bezirke oder in den angenehmeren speckgürtel zurückziehen. von dort kann man dann auch angenehm gendern und die welt zu veganern missionieren. aber zb im bezirk grieß und lend in graz werden sie keine "modernen" grünen finden; dort gibts rotlicht, drogen und zuwanderung aber keine grünen; ist halt nicht neubau-chic

TelefonDialog
02
10.6.2010, 16:14
So stimmt das auch nicht

In Rudolfsheim-Fünfhaus hatten die Grünen ihr stärkstes Ergebnis bei den EU-Wahlen und legen auch im Bezirk zu und liegen vor den Blauen. Sogar in Favoriten gibts 7% Grüne. Allerdings brauchen die Grünen wieder mehr Mut und Aktionismus. Auch sollten sie einmal angedachte Projekte konsequent weitertreiben (etwa den autoverkehrsfreien Ring zwischen Universität und Heldentor, die FuZo Mariahilferstraße, Ausbau der Straßenbahn auf Kosten der Autobusse - etwa eine Linie 13 oder Verlängerung des 58ers zum Burgring usw.). Außerdem sollten sie offensiv, selbstbewußt u. weniger verschämt auf die bisherigen kommunalen Erfolge verweisen (rot-grüne - insbesondere auch von Chorherr angeregte - Projekte: autofreie Siedlung, Frauenstadt, Wientalradweg...)

andreas lamers
 
00
10.6.2010, 14:39
tja wuerden sie mal leiber auf die parteiprogramme schauen

als auf die grinsekatzen am plakat. die gruenen haben programme dafuer. so was spricht gegen eine kontrolle des drogenmarktes? ein fendrich ist mit seinem koks nicht in der gosse gelandet oder ein falco. diese politik wuerde erstens steuergelder bringen die man in drogenpraevention einbringen kann und andererseits die kriminellen vertreiben. prostitution. als gewerbe anerkennen. mit rechten. komplett legalisieren und SV und EKSt einheben. Menschenhandel wird dann unrentable. Integration? Soll ich dazu noch wirklich ein wort verlieren? Fakt ist das Verbote nichts helfen. die bisherige Politik das problem verschaerft statt zu loesen, und die porbleme anderswo recht gut geloest wurden. eben auf diese weise wie die gruenen fordern.

bloody-nine
 
24
10.6.2010, 13:37
EINMAL nur möcht ich

von so einem grünen-hasser eine sachliche inhaltliche auseinandersetzung hören, und nicht nur eine tirade aus den ewig gleiche klischees (bobo-dachwohnungen) und sinnfreien worthülsen aus irgendeinem freiheitlichen rhetorik-selbstfindungsseminar (antworten auf die ängste blablabla).

einmal nur.

Taji Soron
10
10.6.2010, 15:10

so isses, dieses inhaltsleere gesudere ist kaum auszuhalten.

TelefonDialog
00
10.6.2010, 16:20
Das hat leider Tradition

Das LIF wurde von Vertretern von FPÖVSPÖ ziemlich erfolgreich in ein Eck gedrängt, aus dem es kaum mehr herauskonnte (dem LIF wurde damals unterstellt, dass es sich ausschließlich mit H0m0-Politik befasse). Wenn man so etwas lange genug trommelt, glauben es die durchschnittlichen Krone-lesenden WählerInnen. Die Grünen werden derzeit insbesondere von ihren rotschwarzblauen Feinden als abgehobene "Bobos" gebashed bzw. als verschroben-hysterische Emanzen-Schreckschrauben-Partei verunglimpft, die Männer diskriminiert.

Roky Erickson
00
10.6.2010, 11:50
Die Welt braucht die Grünen

Wer dieser Meinung ist, sollte sie wohl auf wählen.

ricko
14
10.6.2010, 10:27
harakiri gibts nicht!!

seppuku!!

Taji Soron
00
10.6.2010, 17:18
Harakiri gibt es sehr wohl

Und zwar im Deutschen (und Englischen) als Lehnwort aus dem Japanischen. Deshalb ist die Verwendung des Wortes Harakiri im Deutschen auch nicht falsch, selbst wenn es im Japanischen so nicht verwendet wird.
Der Begriff Harakiri steht sowohl im Duden, als auch im Deutsch-Japanischen Lexikon (japanische Entsprechung ist - nona - "seppuku")

Taji Soron
00
10.6.2010, 15:16

Mal abgesehen davon, dass es auch "Selbstmord" oder "Selbstzerfleischung" getan hätte, um den Sachverhalt auszudrücken, ist halt bei uns "harakiri" ein bekannter Begriff, "seppuku" aber nicht. Zudem gibt es "harakiri" im Japanischen sehr wohl (schlag halt beispielsweise mal im Nelson (p. 912) nach, du Oberbesserwisser)

Taji Soron
00
11.6.2010, 02:22

Was soll das nun wieder beweisen?
Zum einen, glaub mal nicht alles, was in Wikipedia steht, zum anderen im gegenständlichen Fall kommt es zudem nicht darauf an, ob es das Wort im Japanischen so verwendet wird oder nicht, sondern im Deutschen. Und da wird Harakiri sehr wohl als Synonym für Selbstmord verwendet. Die Aussage "harakiri gibt es nicht" ist aber so in jedem Fall falsch. Allein die Tatsache, dass wir da drüber diskutieren beweist doch, dass es den Begriff "harakiri" gibt. Ob es im Japanischen richtig "seppuku" heisst oder nicht, ist da schlicht egal.

Taji Soron
00
11.6.2010, 02:30

Und falls du des Japanischen so weit mächtig sein solltest, um nicht auf Quellen wie Wikipedia angewiesen zu sein, würde ich dir raten, einmal in einen einsprachigen Japanischlexikon nachzuschlagen. Im Kojien findet sich beispielsweise auf Seite 2104 der Eintrag "harakiri" Erklärung: "Mizukara hara o kiru koto" (=sich selbst den Bauch aufschneiden).

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