Die "Weiße Wand", ein netter Kerl

9. Juni 2010, 19:10
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Matthew Booth ist der einzige Weiße im Kader von Gastgeber Südafrika. Und er ist der belieb­teste Spieler der Bafana Bafana

Johannesburg - Dem Journalisten der spanischen Tageszeitung El País ist die Geschichte noch immer peinlich. Entrüstet berichtete er 2009 vom Confed-Cup, die südafrikanischen Fans würden einen ihrer eigenen Spieler ausbuhen - weil er Weißer ist. Tatsächlich aber feuerten die Zuseher ihren Liebling an: Matthew Booth, den einzigen Weißen im Kader des WM-Gastgebers. Ob das gedehnte "Boooth!" auch beim Eröffnungsspiel am Freitag gegen Mexiko durch das Soccer City Stadion zu Johannesburg hallen wird, ist freilich fraglich. Booth kam zuletzt in den Testspielen nur sporadisch zum Einsatz.

Wie auch immer, der Gehuldigte nimmt "das überhaupt nicht mehr wahr" . Booth, der knorrige Verteidiger von Erstligist Mamelodi Sundowns, meint damit seine Sonderrolle, die an jene von Chester Williams gemahnt, der 15 Jahre lang der einzige Schwarze in Südafrikas Rugby-Team war und 1995 daheim mit den "Springboks" Weltmeister wurde.

An der "weißen Wand" , wie der 1,98 Meter hohe Booth von seinen Fans auch genannt wird, sind jedenfalls schon einige Gegner der Bafana Bafana zerbrochen. Immerhin half er 2000 beim olympischen Turnier zu Sydney auch mit, Brasilien zu schlagen. So einem ist alles zuzutrauen. "Ich denke, dass es wohl mit meiner Hingabe zu tun hat" , sagt Booth über seinen Kultstatus, "die Fans spüren, dass ich die Spiele ernst nehme. Vielleicht ist es aber auch so, weil ich einfach wie ein netter Kerl aussehe."

Nett finden ihn alle, auch das aus Soweto stammende schwarze Model Sonia Bonneventia Pula, die Booth 2006 das Jawort gab. Sie haben zwei Kinder und gelten als Hoffnung der Regenbogennation, dass Schwarz und Weiß eines Tages wirklich in Frieden miteinander leben können. "Wir sind ungewöhnlich, aber nicht mehr so ungewöhnlich, wie es vor 20 Jahren der Fall gewesen wäre" , sagt Sonia Booth. Dem Gatten ist sie bis nach Russland gefolgt, wo er für Rostow und Samara spielte, ehe er 2009 ihr zuliebe nach Pretoria zurückkehrte.

Der "weiße Ritter der schwarzen Massen" , wie die Times Booth nannte, kann über den spanischen Irrtum vom Confed-Cup lachen, "weil es schön ist, den Leuten zu erklären, dass mich die Menschen hier wirklich mögen" . (sid, lü - DER STANDARD PRINTAUSGABE 10.6. 2010)

 

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    Der Liebling und die lebende Legende Südafrikas: Auch Nelson Mandela ist ein Fan von Verteidiger Matthew Booth. Die Eröffnung der WM am Freitag wird der gebrechliche 91-jährige Expräsident nur kurz besuchen.

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