Franz und Shakira

9. Juni 2010, 17:39
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Der Mann ist kitschig freundlich. Geht er auf die Toilette, wird er alle paar Zentimeter von Fans aufgehalten

Da bekommt man im randvollen Butcher's, einem Restaurant direkt am Nelson Mandela Square in Johannesburg, einen Tisch fast neben jenem von Franz Beckenbauer und seiner Partie zugewiesen. Zur Beruhigung der Neidgenossenschaft: Das ausgelöste halbe Grillhendl mit Kartoffelpüree (zugegeben eine gewagte Kombination) kostet dort 100 Rand, das sind zehn Euro. Man nimmt mit seiner Kollegenpartie Platz, einer sagt: "Schau, dort sitzt der Beckenbauer."

Beckenbauer (Hausbesitzer in Kitzbühel!) wiederum dürfte sich gedacht haben, schau, dort sitzen ein paar Österreicher, sind halbe Landsleute, die kenn ich von wo, bei denen war ja die EURO 2008. Er ist jedenfalls nach der Vorspeise aufgestanden (obwohl er nicht am Rand seiner Tafelrunde, sondern im Zentrum platziert war), rübergegangen und hat echt und ehrlich gesagt: "Wie geht's Euch? Schön, dass Ihr da seid. Leider habt Ihr eure Mannschaft daheim lassen müssen. Es wird halt noch ein Zeiterl dauern, bis sie zu einer WM fahren darf."

Ins Detail ist er nicht gegangen. 2014, 2018 oder gar erst 2030 (vielleicht ist Österreich dann endlich WM-Gastgeber), das bleibt Beckenbauers Geheimnis. Wer wird Weltmeister? "Schau'n mer mal." Der Mann ist kitschig freundlich. Geht er auf die Toilette (die ist im Butcher's sehr weit weg von jedem Tisch), wird er alle paar Zentimeter von Fans aufgehalten. Sie bitten um ein gemeinsames Foto, Beckenbauer lächelt, nimmt jeden in den Arm, blitz, blitz, blitz.

Dann bedankt er sich noch bei den wildfremden Menschen höflich für die Belästigungen und Verzögerungen. Minuten später huscht Shakira an einem vorbei. Wortlos. Vielleicht muss sie auf die Toilette. Oder dringend zur Probe. Die Kolumbianerin singt beim Eröffnungskonzert den WM-Song. Hör'n mer mal. (Christian Hackl - DER STANDARD PRINTAUSGABE 10.6. 2010)

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