Schnell wie das Licht zum nächsten Automatenspiel

9. Juni 2010, 19:12
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Automatenhersteller Novomatic soll laut Grünen ein Gerät patentiert haben, mit dem Spieler das Gesetz umgehen könnten

Mit dem neuen Glücksspielgesetz sollen Spieler besser vor hohen Verlusten geschützt werden. Automatenhersteller Novomatic soll laut Grünen ein Gerät patentiert haben, mit dem Spieler das Gesetz umgehen könnten.

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Wien - Wer nur an einem Automaten spielt, ist ein Anfänger. Und wer selber auf die Start-Taste für das Spiel drückt, sowieso. Die, die öfter in das Admiral Casino im Prater kommen, spielen leicht auf vier Maschinen, und drücken tun sie bei jeder nur einmal: Auf die Automatiktaste. Dann drehen sich die buntenWalzen ganz von selbst, so lange, bis das gesetzte Geld verloren ist. Das sollte sich nun ändern.

Mit dem neuen Glücksspielgesetz, das Mitte Juni im Nationalrat beschlossen werden soll, soll der Spielerschutz verbessert werden: Künftig wird dieAutomatiktaste an Automaten verboten, auch an mehreren Automaten gleichzeitig zu spielen soll nicht mehr erlaubt sein. So soll trotz höherer erlaubter Einsätze derVerlust begrenzt werden. Doch Novomatic, der größte Hersteller von Spielautomaten, hat sich laut den Niederösterreichischen Grünen etwas einfallen lassen.

Im November 2009 meldete die Novomatic AG ein neues Patent an, ein "elektronische Spiel- und Unterhaltungsgerät mit einer Lichteffektvorrichtung" . Spieler könnten mit der Erfindung, meinen die Grünen, die neuen Regeln des Glücksspielgesetzes umgehen.

Spielen ohne Tastendruck

Laut Grünen kann das Gerät von Spielern auf Automaten gesetzt werden. Es sendet Lichtimpulse aus, hat die Spielmaschine einen lichtempfindlichen Sensor, ähnlich der automatischen Spülung eines Pissoirs, können mit diesem Impuls die Spiele gestartet werden - ganz ohne eine Automatiktaste. Da ein Spieler beliebig viele dieserGeräte verwenden kann, könnte er auch weiterhin an mehreren gleichzeitig spielen.

"Das beweist, was wir immer schon kritisiert haben: Novomatic will sich offenbar gar nicht an Gesetze halten" , sagt Thomas Huber, Geschäftsführer der NÖ-Grünen. Seit Jahren kämpfen diese gegen das kleine Glücksspiel. Sie werfen Novomatic vor, seine Automaten würden die bisher erlaubten Höchsteinsätze und -gewinne überschreiten und seien damit illegal. DieStaatsanwaltschaft St.Pölten prüft ähnliche Vorwürfe.

Novomatic hat alle Vorwürfe derGrünen bisher immer zurück gewiesen. Im Mai klagte die Firma den Grünen Peter Pilz wegen Bestechungsvorwürfen. Novomatic-Sprecher HannesReichmann erklärte zu den neuen, hier geschilderten Vorwürfen, er könne jedermann beruhigen, die - noch nicht offiziell veröffentlichte - Patentanmeldung behinhalte "rein passive Lichteffekte, die keinerlei Einfluss auf den Spielverlauf haben" . Das neue Patent zeige die hohe Innovationskraft der Novomatic-Gruppe. (Tobias Müller, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.6.2010)

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