Düstere Worte zum Ende der Amtszeit

9. Juni 2010, 16:52
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Yvo de Boer: Selbst Minimalziel einer Erderwärmung um zwei Grad mittlerweile in Gefahr

Bonn - UNO-Klimachef Yvo de Boer hat zum Abschied von seinem Amt vor einem unaufhaltsamen globalen Klimawandel gewarnt. Bis 2020 werde es nicht mehr möglich sein, den Treibhausgas-Anstieg zu stoppen. Damit gerate auch das langfristige Ziel in Gefahr, die Erderwärmung auf zwei Grad Celsius in diesem Jahrhundert zu begrenzen, sagte Yvo de Boer am Mittwoch in seiner Abschiedsrede auf der UNO-Konferenz in Bonn. Die derzeit vorliegenden Angebote der reichen Industrieländer reichten nicht aus.

Yvo de Boer wurde nach seiner Rede von den Delegierten aus aller Welt stehend und mit langem Beifall verabschiedet. Er hatte nach dem weitgehend gescheiterten Kopenhagener Klimagipfel seinen vorzeitigen Rückzug für Ende Juni angekündigt. Der Niederländer leitete das UNO-Klimasekretariat und die UNO-Verhandlungen seit September 2006.

"Die Zwei-Grad-Welt ist in Gefahr"

Eindringlich mahnte Yvo de Boer, den globalen Klimaschutz engagiert weiterzuführen. Das sei "eine lange Reise" und keine Sache von wenigen Verhandlungen. Die reichen Länder seien zwar grundsätzlich bereit, bis Mitte des Jahrhunderts ihren gemeinsamen Ausstoß an Treibhausgasen um 80 Prozent zu verringern. Strittig sei aber, welches Land welche Lasten zu tragen zu habe.

"Wie die Dinge derzeit stehen, werden wir nicht in der Lage sein, den Ausstoß von Treibhausgasen in den nächsten zehn Jahren aufzuhalten", sagte de Boer. "Die Zwei-Grad-Welt ist in Gefahr." Und als Resultat schließe sich auch rasch die Tür für eine Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius. Eine Erderwärmung um zwei Grad gilt in den Augen von Wissenschaftlern als noch erträglich für Mensch und Umwelt.

Bereits zuvor hatte de Boer wiederholt erklärt, dass auch auf dem nächsten Weltklimagipfel in Cancun Ende dieses Jahres noch nicht mit einem neuen Weltklimavertrag zu rechnen sei. Er sei aber zuversichtlich, dass wenigstens eine "Architektur" dafür vereinbart werden könne. (APA/red)

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    Yvo de Boer scheidet pessimistisch aus dem Amt.

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