Auf Schiene

Ausschuss gibt erstes Okay zu ORF-Gesetz

9. Juni 2010, 16:41

Fünf Parteien für ersten Abänderungsantrag inklusive neuer Prüfregeln für ORF-Sparpläne, aber ohne neue Onlinevorgaben für den ORF - Koalition grundsätzlich auch für Onlineregeln

Alle fünf Parteien haben Donnerstag nach STANDARD-Infos dem ersten Abänderungsantrag zum ORF-Gesetz zugestimmt, inklusive der neuen Prüfregelung der Medienbehörde für den ORF, aber ohne die geplanten Onlinevorgaben für den ORF, denen die Koalition grundsätzlich zustimmte. Montag wird an den Onlineregeln weiter verhandelt, davon hängt auch die Zweidrittelmehrheit ab, um  die neue Medienbehörde weisungsfrei zu stellen. Dienstag tagt neuerlich der Verfassungsausschuss. Der Nationalrat soll das Gesetz am 18. Juni beschließen.

Zeitungsverband und ORF einigten sich davor auf ein neues Internet-Werbelimit für den ORF: vier Prozent der Gebühreneinnahmen, 20 Millionen Euro, doppelt soviel wie er bisher online umsetzt. Dafür verzichtet der ORF auf Onlineinhalte wie etwa Spiele und auf lokale Berichterstattung.

Laut einzelnen Verhandlern sind die Vorgaben von ORF und Zeitungen nicht gesetzestauglich, das Kanzleramt müsse sie neu formulieren.

Der ORF-Sprecher der Grünen, Dieter Brosz, verneint gegenüber dem STANDARD die Darstellung anderer Verhandler, dass eine Fünf-Parteien-Einigung schon fix wäre: "Es wird einen gemeinsamen Abänderungsantrag (Wortlaut hier) geben, der insbesondere jene Punkte enthält, die in die Vorlage hineinverhandelt wurden, von der Zielsetzung einer vollständigen Untertitelung bis zum Code of Conduct. Alle anderen Teile werden nur von den Regierungsfraktionen beschlossen werden", erklärt er zum Verfassungsausschuss am Donnerstag. Brosz: "Eine Zweidrittelmehrheit und eine Behandlung im Plenum ist daher keineswegs sichergestellt."

"Offensichtlich verfassungswidrig"

Bei den Vorgaben für die ORF-Onlineangebote "war allen Oppositionsparteien eine Änderung wichtig", erklärt Brosz: "Die Vereinbarung zwischen VÖZ und ORF wird in dieser Form sicher nicht beschlossen, schon deshalb weil sie zum Teil offensichtlich verfassungswidrig ist. Ob es hier zu einer Einigung kommt, ist nach wie vor offen, am Montag gibt es dazu eine weitere Verhandlungsrunde. Erst danach wird am Dienstag in der Präsidiale festgelegt, ob das Gesetz nächste Woche im Plenum behandelt wird."

Ein Koalitionsverhandler bestätigt: "Nicht zwingend alles", was in dem Papier von ORF und Zeitungen steht, werde sich so auch im Gesetz wiederfinden. "Nicht, weil wir nicht wollen, sondern wegen legistischer Bedenken."

Die Bedenken gelten etwa der Forderung in dem Papier, dass künftig nur noch Gebührenzahler namentlich und nach Nennung ihrer Teilnehmernummer auf ORF-Webseiten posten dürfen sollen. Aber auch die vom ORF ins Papier reklamierte Formulierung, dass die Anstalt ab 2014 mit dem Marktwachstum auch über die Vier-Prozent-Grenze für Onlinewerbung bewegen darf. Die Formulierung gilt als "nicht judizierbar", sagte ein Verhandler dem STANDARD.

Behördenkontrolle geklärt

Nun gelöst ist offenbar der zweite zentrale Streitpunkt am ORF-Gesetz zwischen ÖVP und den übrigen Parteien: Die Medienbehörde nimmt zu Sparplänen des ORF Stellung, bevor der Stiftungsrat sie beschließt. Die Stellungnahme bindet den Stiftungsrat aber nicht. Strukturelles Sparen ist Bedingung für 160 Millionen Euro extra vom Bund über vier Jahre. Erfüllt der ORF seine Sparziele nicht, wird der Zuschuss im Folgejahr gekürzt. 

Prozedere fürs Budget

Die Prüfung des ORF-Budgetplans erfolgt künftig laut ORF-Gesetz gemäß folgendem Prozedere: Der ORF-Generaldirektor legt der Behörde die Zahlen vor, wonach diese sechs Wochen Zeit hat, eine Stellungnahme zu formulieren. Diese ergeht an den Stiftungsrat und ist nicht verbindlich. In der Medienbehörde wird die Prüfungskommission mit der Vorabprüfung beschäftigt sein.

Einvernehmen mit Hauptausschuss

Offenbar ein Zugeständnis an die Opposition ist der Beschickungsmodus für die Mitglieder der Medienbehörde. Diese werden weiterhin von der Regierung vorgeschlagen, der Hauptausschuss des Nationalrats muss dem Vorschlag aber zustimmen ("bedarf des Einvernehmens mit dem Hauptausschuss des Nationalrats").

Zeitplan

Der Fünfparteien-Vorschlag soll am Donnerstag durch den Verfassungsausschuss gehen. Damit kann er plangemäß kommende Woche im Plenum des Nationalrates beschlossen werden. Auf der Tagesordnung soll er am 18. Juni stehen.

Online- und Regionalwerbung

Zunächst noch offen gelassen wurden die Bereiche Online- und Regionalwerbung, über die sich der Verband Österreichischer Zeitungen (VÖZ) und ORF einig werden sollten. Die genaue Regelung soll in einem Abänderungsantrag im Plenum in das Gesetz einfließen.

Für die Einführung der weisungsfreien Medienbehörde war mindestens die Zustimmung einer Oppositionspartei notwendig. Für eine Verfassungsmehrheit braucht ein Gesetz mindestens zwei Drittel der Stimmen im Nationalrat.

Ostermayer zufrieden

Erfreut zeigte sich Medienstaatssekretär Ostermayer: "Ich freue mich, dass nach diesem langen Diskussionsprozess jetzt eine 5-Parteien-Einigung möglich geworden ist. Unsere Bedingung eine verfassungsrechtlich tragbare Lösung bei der Vorabprüfung der jährlichen Leistungsziele des ORF zu finden, ist erfüllt. Statt einer Direktive einer Behörde an das Unternehmen gibt es jetzt eine Empfehlung an das Aufsichtsgremium, den Stiftungsrat."(fid/APA)

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Posting 1 bis 25 von 87
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Polix
00
10.6.2010, 18:03
Dankend

soll die Bevölkerung das Bevormundungsmedium noch stärker zwangsunterstützen, quasi ihre eigene Indoktrination finanzieren.

Alpensaga_Wurzel
00
10.6.2010, 16:36
Ich glaube,

der ORf ist genauso wenig im Hier und Heute angekommen wie die BReg oder das Parlament. Die glaube noch immer, dass einen TV-Sender betreiben extrem aufwendig und teuer sein muss.
Haben die eine Ahnung. ;) Schaut euch mal die diversen Web-TV Formate an. Low Budget und trotzdem super umgesetzt und auch inhaltlich sehr in Ordnung.
Extrem merkt man das an diversen Wintersportveranstaltungen. Millionen werden in eine Übertragung vom Hahnenkamm investiert und dennoch sind die Rennen für mich als TV-Zuseher nicht lässiger als vor 30 Jahren.
Außerdem vermisse ich live-Übertragungen von Sportveranstaltungen im Radio...

Hans Müller1
 
02
10.6.2010, 17:46
Äähhh, wer genau sollte im ORF daran interessiert sein

billig zu produzieren?

already
03
10.6.2010, 17:48
"Niemand"!

macindd
10
10.6.2010, 16:43

Web-TV und professionell produziertes Fernsehen ... Äpfel und Birnen ...

already
28
10.6.2010, 15:06
Warum bekommt der Privatsender ATV...

...das 160 Millionen Euro Steuer-Geschenk nicht?

macindd
31
10.6.2010, 16:42
Was hat er denn dafür getan?

Soll er das etwa für hochwertige Sendungen wie Saturday Night Fever (die Reality-Serie) bekommen?

already
16
10.6.2010, 17:12
Aber hallo...

der ORF hat doch ständig nur Wiederholungen!

macindd
30
10.6.2010, 17:37

Weil der ORF teilweise Wiederholungen zeigt, soll ATV Steuergeld bekommen? Logik??

already
02
10.6.2010, 17:43
Wenn der ORF für seine Wiederholungen Steuergelder kassiert...

...warum sollte der ATV nichts vom Steuerkuchen bekommen?

macindd
71
10.6.2010, 17:59
Weil ATV nur Boulevard und Telefon-Abzockshows produziert,

und das Programm des ORF nur zu Teilen aus Wiederholungen besteht.

Witzig. Beim ORF mit seinem öffentlichen Auftrag tut Dir das Geld für die Gebühren leid, aber beim privaten Boulevardsender bettelst Du darum, zahlen zu dürfen. Der ORF soll, geht es nach Euch, sich auf den Bildungsauftrag beschränken, gleichzeitig gebt Ihr zu, Euch nach noch mehr Dumpfbacken-Unterhaltungs-TV zu sehnen - die Wiederholungen finden schließlich im Unterhaltungsbereich statt. Ihr ORF-Hasser seid echt ein lustiges Völkchen.

Hans Müller1
 
12
10.6.2010, 15:49
weil's dort keine 9-stündige Übertragung der

Hochzeit des Jahres (Viktoria und der Schweinskopf) inkl. Analysen, Kommentaren und Live-Schaltungen aus Stockholm gibt

oldin
06
10.6.2010, 16:09
Wem...

sind solche Übertragungen wichtig?
Ich z.B. brauche sie nicht!

Hans Müller1
 
10
10.6.2010, 16:43
muss man's wirklich immer explizit dazu schreiben

wenn was nicht ernst gemeint ist?

Grünes Stricherl statt Blaues Stracherl
41
10.6.2010, 15:43

Warum sollen Privatfirmen Steuergeld bekommen?

Dann möchte ich bitte auch 160 Millionen!

ÖVP, die abzocker der nation
02
10.6.2010, 15:38

der holt sich das geld mit der telefonabzocke jeden vormittag.

already
08
10.6.2010, 16:03
Jeder der hier anruft...

gehört abgezockt!
Das gleiche System wird bei 9-Live praktiziert!

already
26
10.6.2010, 15:16
Der Privatsender ATV braucht die "Kohle" nicht...

...weil er wirtschaften kann!

macindd
52
10.6.2010, 17:38
Aber was ATV nicht kann,

ist, ein brauchbares Programm herzustellen.

already
06
10.6.2010, 17:46
Brauchbares Programm?

Welch brauchbare Programme werden vom ORF
erstellt? ---Wiederholungen?

macindd
30
10.6.2010, 18:03
Club 2, Pressestunde, Am Schauplatz, Hohes Haus, Thema etc.

Darüber hinaus kann man einen guten Film durchaus auch mal wiederholen. Ich nutze das oft, um etwas doch noch aufzunehmen, wenn es sich mit einer anderen Sendung überschnitten hat.

already
06
12.6.2010, 08:16
Sind Sie beim ORF beschäftigt...

...weil Sie dieses Kasperltheater so vehement
verteidigen?

Elfmeter
22
10.6.2010, 12:37
Wer sich das durchliest kommt mit Sicherheit zur Erkenntnis:

Aus, Schluss, Ende mit dem ORF und dem "öffentlich-rechtlichen" Fernsehen, wie es jetzt organisiert ist. Neugründung auf der grünen Wiese und mehrheitlich privat. Wenn die öffentliche Hand einen Fernsehkanal benötigt, bitteschön. Dann ehrlich und transparent aus Steuergeldern, aber nicht scheinheilig reglementiert und über eine ORF-Steuer finanziert.

Estereich
110
10.6.2010, 12:34
die GIS-gebühren sind eine frechheit! pfui!

reservebuddha
02
10.6.2010, 10:54
Lieber Standard, stellvertretend für alle privaten Online-Medien

"Die Bedenken gelten etwa der Forderung in dem Papier, dass künftig nur noch Gebührenzahler namentlich und nach Nennung ihrer Teilnehmernummer auf ORF-Webseiten posten dürfen sollen."

Damit wären die ORF-Foren, dieses weitaus meist genutzte Angebot auf dem Markt, kaputt und uninteressant. Falls das durchgeht (was mich wundern würde), bedeutet es für mich nach dem Verursacherprinzip dann auf sämtliche Konkurrenzprodukte österreichischer Herkunft zu pfeifen. Wenn ihr keine auch nur annähernd so gut frequentierten Foren zusammenbringt, ist das wirklich euer Problem. Das dann aber auf dem Rücken der Benutzer über die Maschek-Seite mit einem wurschtigen ORF-General zu regeln, ist einfach nur mies und ein Schlag ins Gesicht der Community.

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