Die mathematische Seite von Fußball

09. Juni 2010 12:20
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    Foto: apa/artinger

    Zehn Feldspieler sind optimal, das belegen die Berechnungen eindeutig.

Rudolf Taschner widmet sich in einem Vortrag falschen Binsenweisheiten und der richtigen Mischung

Wien - Sprüche wie "Wer 1:0 führt, der stets verliert" mögen unter Fußballern verbreitet sein. Wenn man genau nachrechnet und Statistiken bemüht - wie es "math.space"-Gründer und Mathematik-Professor Rudolf Taschner (Technische Universität Wien) aus Anlass der bevorstehenden Fußball-WM getan hat - wird solchen Weisheiten oft der Boden entzogen. Taschner hält heute, Mittwoch, Abend in Wien einen Vortrag zum Thema "Mathematik und Fußball".

Mit einer Wahrscheinlichkeit von satten 93 Prozent, so hat Taschner errechnet, wird eine Mannschaft als Sieger vom Platz gehen, wenn sie auf eigenem Platz mit 1:0 in Führung gegangen ist. Nach einer 2:0-Führung ist der Sieg für die Platzbesitzer schon fast sicher, zu 98 Prozent wird dieses Team siegreich bleiben. Im Falle der Gastmannschaft ist die spätere Siegesquote nicht ganz so hoch. Immerhin gewinnt ein Team ein Auswärtsmatch nach einer 1:0-Führung in 78 Prozent der Fälle. Der Verlierer-Spruch ist daher widerlegt.

Der Wissenschafter weiß auch zu berichten, dass - entgegen anderslautenden Behauptungen - auf Österreichs Fußballplätzen durchaus zahlreiche Tore fallen. Eine Analyse der Bundesliga seit der Gründung im Jahr 1974 zeigt, dass im Durchschnitt 2,8 Tore pro Match fielen. Mit 24 Prozent am wahrscheinlichsten war ein Ausgang mit zwei Toren. Zu 22 Prozent gab es drei Tore, zu 17 Prozent ein Tor und zu 16 Prozent vier Tore. Die Wahrscheinlichkeit für ein 0:0 in der Geschichte der Bundesliga betrug lediglich sechs Prozent.

Die richtige Spieleranzahl

Die Feldspielerzahl von zehn hält Taschner - ebenfalls nach entsprechenden Berechnungen - für goldrichtig. Ein Ballkontakt dauere idealerweise eine bis drei Sekunden, das ergibt bei einer Sprintgeschwindigkeit von fünf Metern pro Sekunde einen Aktionsradius von 15 Metern, gleich rund 700 Quadratmetern. Nachdem das Spielfeld etwa 7.000 Quadratmeter habe, seien zehn Spieler pro Mannschaft optimal beschäftigt.

Letztendlich bleibt der Ausgang eines Spiels aber doch immer offen, das liegt laut Taschner nicht zuletzt an der vergleichsweise geringen Anzahl an Toren, die während eines Spiels fallen. Anders ausgedrückt: Ein einziges Glückstor kann ein Spiel im Fußball entscheiden, im Handball etwa wäre das unwahrscheinlich. Der Mathematiker sieht darin einen möglichen Grund für die Popularität des Fußballs, frei nach dem Motto "alles ist möglich".

Taschner ist abseits der Mathematik persönlich kein Fußballfan. Für einen Tipp bezüglich des angehenden Weltmeisters muss er auf eine Empfehlung seines Sohnes zurückgreifen: "Argentinien". (APA)


Vortrag "Mathematik und Fußball" von Rudolf Taschner, Mittwoch, 9. Juni 2010 um 19.00 im "math.space" quartier 21 in Wien

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16 Postings
birka
09.06.2010 21:03

Interessant wäre eine Kurve wie sich die Siegeschance über die 90min erhöht. Wenn man in den ersten 15min 1:0 führt ist dann der Sieg sicherer oder unwahrscheinlicher als wenn man in den letzten 15min 1:0 führt. Im ersten Fall hat der Gegner noch 75min Zeit für Gegentore, aber dafür spricht ein frühes Tor dafür dass meine Mannschaft ur-super ist. Was wiegt mehr Herr Professor?

Wechselländer
09.06.2010 20:07
Wahrscheinlichkeit von 93%

Hat Österreich nicht auch 1:0 gegen Spanien geführt?
Kann mich nicht erinnern, dass Österreich auch gewonnen hat.

momo10001
09.06.2010 23:33

Gratulation, Sie haben "Wahrscheinlichkeit" vollkommen falsch verstanden

Wechselländer
11.06.2010 07:25
Das war nur eine Feststellung

Aber solche Statistiken in einem Sport wie Fußball zu erstellen, ist meiner Meinung nach nicht sehr sinnvoll, da es oft auch von der Stärke der Mannschaft abhängt, ob man einen 0:1 Rückstand noch aufholen kann, oder nicht. Wenn Spanien 1:0 gegen Österreich vorne liegt, ist es wahrscheinlicher, dass die Spanier auch gewinnen, als wenn Österreich 1:0 in Führung geht.

Totaler Durchblicksstrudel
 
09.06.2010 16:29

"Mit einer Wahrscheinlichkeit von satten 93 Prozent"

Wäre interessant herauszufinden, ob sich das seit Einführung der massiven Fußballwetterei verändert hat.

yomellamo
09.06.2010 16:03
das mit der spieleranzahl glaub ich noch nicht ganz

... ich denke doch, dass man mit einer 200 leute starken mannschaft selbst gegen zb. Bayern muenchen mit 10 feldspielern eine echte chance haette...

ARO5
09.06.2010 14:09

Die Wahrscheinlichkeit, dass jene Mannschaft, die 1:0 am Beginn führte, das Spiel zu null verliert, ist 0.
;-)

Peda72
09.06.2010 15:02
und was is wenn es strafverifiziert wird?

nix ist mit 0 und 100%

hrr hrr

ARO5
09.06.2010 15:17

Wenn es starfverifiziert wird, hat die Mannschaft aber nicht zu null verloren, oder ?

Entropix
09.06.2010 14:00
da sollte man

im Interesse unserer Kicker variable Platzgrößen einführen, je nach Anzahl der tatsächlich "Beschäftigten" in der Mannschaft ;-)

velvet80
09.06.2010 13:27

hätte mich nur gewundert was die Statistik sagt wenn man (wie bei einer WM) weder Heim- noch Auswärtsmannschaft ist. könnte mir vorstellen dass die 1:0-und-danach-Sieger Quote zwischen 78 und 93 % liegt - anyway ist das eigtl. erschreckend hoch!

(und das beweist auch dass die Italiener etwas von Mathe verstehen... ;-) )


spoiled ballot
09.06.2010 13:03
"Wer 1:0 führt, der stets verliert"

noch nie gehört, und man muss da auch keine statistiken bemühen um zu erkennen, dass das nicht viel sinn ergibt

Lukas Chen
09.06.2010 15:22
Nicht reine Mathematik oder Statistik

Menschengefuehl spielt auch eine grosse Rolle von Fussball; das Gefuehl der Fussballspieler und auch dessen der Zuschauer.

Euro-Berater
09.06.2010 14:02

alte Bauernregel ...

1337 camp0r
09.06.2010 19:33
habe ich auch noch nie gehört

bin aber auch ein städter und kein bauer.

Nick Tameer
09.06.2010 12:49

Das mag statistisch alles richtig sein, aber "Wer 1:0 hinten liegt, der ist am Ende meist besiegt" peppt nicht so gut.

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