Entführtes Baby in Bayern gefunden

9. Juni 2010, 15:53
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Mutter hatte Kind im Kindersitz vor der Kabine abgestellt - Tirolerin hat fremdes Baby einfach mitgenommen und ist geflüchtet

Salzburg - Das am Vormittag in Salzburg entführte drei Monate alte Baby ist in Bayern nach fünf Stunden Großfahndung gefunden worden. Die Entführerin wurde am Nachmittag im benachbarten Bayern in Reit im Winkl im Chiemgau verhaftet. Das Baby ist wohlauf, bestätigte die bayrische Polizei. Bei der mutmaßlichen Täterin handelt es sich um eine 32-jährige Tirolerin. Die Hintergründe der Tat sind vorerst noch nicht bekannt.

Tirolerin wurde bei Großfahndung angehalten

Die Frau wurde im Zuge der Groß-Fahndung von der bayerischen Polizei angehalten und anhand der Überwachungskamera-Bilder als mutmaßliche Täterin identifiziert. Die Tirolerin ist 32 Jahre alt und lenkte einen Wagen mit Tiroler Kennzeichen. Ob es sich bei dem Baby im Auto um das entführte Kind handelt, sei zwar noch nicht zu hundert Prozent geklärt, aber die Polizei geht mit hoher Wahrscheinlichkeit davon aus. Die Eltern seien überglücklich, so Josef Holzberger vom Landeskriminalamt Salzburg.

Frau redete Mutter an

Das drei Monate alte Baby wurde kurz vor 10.00 Uhr im Salzburger Einkaufszentrum Europark entführt. Die 34-jährige Salzburgerin war mit ihren zwei Kindern, einem zweijährigen Kind und dem drei Monate alten Baby im Europark shoppen, gab Einsatzleiter Josef Holzberger vom Landeskriminalamt bekannt.  Im Erdgeschoß wurde sie in einem Bekleidungsgeschäft von einer etwa 30 bis 35 Jahre alten Frau angesprochen. Sie erzählte, dass sie vor vier Wochen in Tirol selbst ein Baby entbunden habe. Die Geburt sei sehr schwierig gewesen, weil sie drei Wochen nach dem errechneten Termin erfolgt sei.

Wagen stand vor Kabine

Danach fuhr die Mutter in den ersten Stock und stieß dort erneut auf diese Frau. Als die Mutter in einem Geschäft Bekleidung anprobierte, hat sie den Kindersitz mit dem Baby vor der Kabine abgestellt. Durch einen Schlitz des Vorhangs bemerkte sie, wie das Fahrgestell, auf dem der Kindersitz angebracht war, wackelte, dachte sich aber nichts dabei. Als sie dann aus der Kabine kam, war das Baby verschwunden. Die geschockte 34-Jährige verständigte zunächst das Verkaufspersonal, das beim Center-Management Alarm schlug, und dieses informierte die Polizei und setzte einen Alarm-Plan in Gang.

Frau flüchtete Richtung Tiefgarage

Ein Bild aus einer Überwachungskamera zeigt die mutmaßliche Entführerin, wie sie eine große Tragetasche in einem Einkaufswagen Richtung Tiefgarage schiebt, und auf dieser Tasche befindet sich eine weiße Windel. Deshalb nimmt die Polizei auch an, dass sie das Einkaufszentrum über die Tiefgarage verlassen hatte.

Polizei sperrte das Einkaufscenter

Die Polizei sperrte sofort das Einkaufscenter. Besucher des Europarks wurden aufgefordert, den Europark zu verlassen, wobei nur ein Ausgang und eine Garagenausfahrt offen waren. Die Polizei kontrollierte jede Person beim Verlassen. Im Shoppingcenter suchten Beamte und eine Suchhundestaffel sämtliche Winkel der ab. Vom Baby fehlte aber jeder Spur.

Großfahndung in Österreich und Bayern

Danach sicherten die Ermittler alle vorhandenen Spuren, etwa DNA-Spuren. Alleine im und um den Europark sind 70 Uniformierte und 25 Beamte in Zivil im Einsatz. Die Fahndung wurde dann umgehend auf ganz Österreich und Bayern ausgeweitet. Erst gegen 13.30 Uhr, also über dreieinhalb Stunden nach dem Vorfall, wurde das Einkaufszentrum wieder geöffnet. 

Mutter muss betreut werden

Die schwer geschockte Mutter des Babys konnte der Polizei noch hilfreiche Hinweise geben. Sie wird vom Kriseninterventionsteam des Roten Kreuzes betreut.

Die Entführerin ist etwa 30 bis 35 Jahre alt, hat dunkles, etwas gewelltes Haar und ist rund 1,70 Meter groß. Bekleidet war sie mit einer türkis-farbenen Bluse mit weißen Stickereien und Jeans.

Täterin war schon länger im Bekleidungsgeschäft

Die angebliche Täterin hat sich laut anderer Zeugen schon längere Zeit im Bekleidungsgeschäft aufgehalten und sich dort offenbar mehr für Babys als für Textilien interessiert. Der angebliche Südländer, der in verschiedenen Medien als möglicher Mittäter genannt wurde, dürfte mit der Entführung nichts zu tun haben.

Keine Krisenpläne für derartige Szenarien

Laut Center-Manager Christoph Andexlinger befanden sich zum Zeitpunkt der Entführung 2.000 bis 3.000 Kunden im Einkaufszentrum. Für derartige Vorfälle gebe es keine Krisenpläne, Teile von ähnlichen Alarm-Plänen habe man hier aber umsetzen können. Sowohl Polizei als auch Center-Management lobten  die gute und rasche Zusammenarbeit.(APA)

 

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    Aufnahme von der Überwachungskamera im Einkaufszentrum. Im Einkaufswagen der Maxi-Cosi mit dem Baby

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    Die Verdächtige Frau in blauer Kleidung trägt den schwarzen Baby-Transportkorb (Maxi-Cosi)

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    Die Polizei kontrollierte jede Person beim Verlassen des Shoppingcenters

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    Alleine im und um den Europark waren 70 Uniformierte und 25 Beamte in Zivil im Einsatz

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