"Walter, du spinnst doch!"

9. Juni 2010, 10:15
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Austria Salzburgs Neo-Obmann Walter Windischbauer über sport­liche Ziele, Hausverbote und schlaflose Nächte - ein derStandard.at-Interview

derStandard.at: Herr Windischbauer, wann haben Sie sich dazu entschlossen, Obmann der Austria zu werden? 

Windischbauer: Eine Woche vor der Mitgliederversammlung hat mich Austrias sportlicher Leiter Gerhard Stöger kontaktiert. Mein Herz hat sofort ja gesagt, der Verstand blieb skeptisch. Und dann war da noch meine Frau...

derStandard.at: Was hat sie Ihnen geraten?

Windischbauer: „Walter, du spinnst doch", hat sie anfangs gesagt. Später meinte sie, dass ich es machen soll, wenn ich es unbedingt will. Das hat mir die Entscheidung erleichtert, obwohl ich einige schlaflose Nächte bis zur Mitgliederversammlung hatte.

derStandard.at: Sportlich sorgt die Austria mit dem Aufstieg in die Westliga für positive Schlagzeilen. In der Fanszene brodelt es aber. Wie gehen Sie damit um?

Windischbauer: Eine Bedingung von mir war, dass sich der Verein klar von den Unruhestiftern distanziert. Der Verein hat 15 Personen auf unbestimmte Zeit Stadionverbot erteilt und ich sehe keinen Grund, diese aufzuheben. Wir werden uns auch in Zukunft von diesen Leuten distanzieren und gegebenenfalls weitere Maßnahmen gegen sie ergreifen.

derStandard.at: Welche Ziele verfolgen Sie mit der Austria in der kommenden Westliga-Saison?

Windischbauer: Wir wollen eine gute Rolle spielen und mit dem Abstieg nichts zu tun haben. In zwei bis drei Jahren können wir dann frühestens über einen Aufstieg nachdenken. Eines ist klar: Wir wollen mit der Austria zurück in den bezahlten Fußball.

derStandard.at: Dazu fehlt aber eine geeignete Spielstätte ...

Windischbauer: Das ist uns ebenfalls bewusst. Wir hatten bereits Gespräche mit der Wirtschaft. Es kamen positive Signale. Jetzt sind aber auch Land, Bund und Stadt gefordert. Mehr kann ich dazu noch nicht sagen. In Wals-Sieznehim wollen wir auf jeden Fall nicht spielen. Dazu ist zuviel vorgefallen.

derStandard.at: Wobei Sie ja selbst ab und zu die Spiele von Red Bull Salzburg besuchen ...

Windischbauer: Das gebe ich auch offen zu. Ich schaue mir die Matches aus sportlichem Interesse an. Ansonsten kann ich dem Ganzen wenig abgewinnen. Diese „Bussi-Bussi-Gesellschaft" ist nicht meine Welt.

derStandard.at: Zurück zur Austria: Ihr Vorgänger Gernot Blaikner kam direkt aus der Wirtschaft. Sie sind Jurist. Wie sind im neuen Vorstand die Aufgaben verteilt?

Windischbauer: Meine Kollegen Wolfgang Haider (Obmann des Salzburger Christkindlmarkt, Anm.) und Christian Schiefauer (s2 Finanzmanagement) kümmern sich um wirtschaftliche Belange. Wir werden uns aber bei jeder Entscheidung absprechen, denn Schlussendlich trage ich die ganze Verantwortung.
 (Harald Saller aus Salzburg, derStandard.at, 9. Juni 2010)

  • Walter Windischbauer, seit Juni neuer Obmann von Austria Salzburg und 
beim Salzburger
Fußballverband Vorsitzender des Straf- und Beglaubigungsausschuss.
    foto: thomas schernthanner

    Walter Windischbauer, seit Juni neuer Obmann von Austria Salzburg und beim Salzburger Fußballverband Vorsitzender des Straf- und Beglaubigungsausschuss.

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