O sole mio und "Was bin ich doch süß"

9. Juni 2010, 16:43
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Der Fiat 500 ist neben den Minis das vielleicht einzige Retrofahrzeug, das Begehrlichkeit über längere Zeit hin wecken kann - erst recht das Cabrio

Ein Bild wie aus dem Zielgruppengeschwafel der Marketingheinis: Die modisch gestylte Dame, schätzungsweise Mitte 30, schlendert am Café vorbei, sieht sich vor dem dort parkenden 500C um, ob sie so weit unbeobachtet ist, und inspiziert dann das Interieur von Fiats jüngster Kultgerätsvariante. Klare Sache: Der Kleine mit dem großen C – "C" wie Cabrio – fand Gefallen, dieser italienische Frauenversteher bedient die richtigen Klischees, Kindchenschema, (retro-) chic bis zum Abwinken, O sole mio und "Was bin ich doch süß!".

Sitzt man(n) in diesem Auto, ist es vorbei mit der Anonymität, gnadenlos wird man bequatscht, fängt sich Blicke ein, ja bist du ... Genug davon, zum Testwagen. Cinquecento Cabrio mit 1,4-Liter-Benziner inklusive Start-Stopp-System. Die 100 PS nimmt man ihm aber nur ab, wenn man ständig den Sportmodus aktiviert lässt, sonst werden eher die 132 Nm Drehmoment gefühlt. Und bergauf auf der Autobahn beschleunigen, das hat was Meditatives.

Der 500C ist ein Cabriolet à la Citroën Pluriel und Smart Cabrio, nur ist es im Fiat-Fall eigentlich ein bisserl eine Mogelpackung. Denn anders als bei den zwei Genannten lassen sich die Dachholme nicht entfernen, die Luftigkeit bleibt auf das rolloartige Textildach beschränkt – das im Übrigen das Alibi "wasserdicht" uneingeschränkt verdient: Waschstraße und Waschelwetter wochenlang, kein Tropferl in den Fiat drang.

foto: fischer
Das Cabrio ist eigentlich nur halb eines, weil die Dachholme stehenbleiben – was dem positiven Eindruck des 500C aber keinen Abbruch tut.

In zwei Hauptpositionen lässt sich das Verdeck bewegen. Ein Knopfdruck oben am Windschutzscheibenrahmen: zurück bis zur C-Säule, Spoiler bleibt in Position. Zweiter Knopfdruck: Heckscheibe versenkt sich, Spoiler und botoxfreie Dachfalten fallen noch weiter nach hinten/unten – behindern dort dann allerdings leicht die Rücksicht. Auf der Autobahn empfiehlt sich, wenn, dann aber nur diese maximale Offendachigkeit: Im erstgenannten Zustand entstehen nämlich ab ca. 60 km/h zunehmend Frequenzen, bis dass die Seitenspiegel wackeln und die Trommelfelle trommeln.

Fazit 500C: Einer der sympathischsten Neuzugänge des Jahres. Echter Hin- und Nachgucker. (Andreas Stockinger/DER STANDARD/Automobil/04.06.2010)

  • Schick in Schale zu sein ist bei einem Italo-Auto fast Verpflichtung.
    foto: fischer

    Schick in Schale zu sein ist bei einem Italo-Auto fast Verpflichtung.

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