Ertrinken ist zweithäufigste Todesursache bei Kleinkindern

9. Juni 2010, 09:56
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Wassertiefe ab 20 Zentimetern kann bereits zum Verhängnis werden

Wien - Die ersten hochsommerlichen Tage des Jahres bringen neben Badespaß für die Kleinen erhöhte Aufmerksamkeit für die Großen: Acht Kinder unter fünf Jahren sind im Jahr 2008 in Österreich ertrunken. Ertrinken war damit bei Kleinkindern dieser Altersgruppe die häufigste Todesursache nach Verkehrsunfällen. Ausreichend dafür sind wenige Zentimeter Wassertiefe. Das Heimtückische dabei: Kinder ertrinken leise. Sie gehen einfach unter, ohne um sich zu schlagen, weiß Anton Dunzendorfer, Leiter des Bereichs Forschung beim Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV).

Grund dafür ist die unverhältnismäßige Verteilung des Körpergewichtes. Kinder unter fünf Jahren können ihren schweren Kopf nicht selber aus dem Wasser ziehen. "Sie verfallen in eine Starre mit Atemsperre, daher geschieht das Ertrinken letztlich lautlos", sagte Dunzendorfer.

Bereits flache Gewässer ab etwa 20 Zentimeter Tiefe können den Kleinen zum Verhängnis werden. Die meisten tragischen Unfälle ereignen sich laut KfV im eigenen Garten oder in der näheren Wohnumgebung. Häufige Unfallorte sind Pools oder Biotope. Bauliche und technische Schutzmaßnahmen können diese sicherer machen.

Für Biotope empfehlen die Experten eine Anlage an gut einsehbaren Stellen. Grill- oder Picknickplätze sollten nicht unmittelbar neben dem Gewässer liegen. Im Uferbereich ist es ratsam, auf stabile, griffige Materialien zu achten. Häufig sind Unfälle auf zu tiefe oder instabile Randbereiche zurückzuführen. Die Wassertiefe legt man am sichersten im Stufenbau fest: Die Randzone sollte maximal 20 Zentimeter tief und mindestens einen Meter breit sein. Jede weitere Stufe legt man erneut um 20 Zentimeter tiefer und mit einem Meter Breite an.

Oft genügt schon eine Wassertiefe von 60 bis 80 Zentimeter, um ein Austrocknen oder Zufrieren zu verhindern. Seerosen gedeihen schon ab 30 Zentimetern.

Wirksamen Schutz bieten Umzäunungen. Allerdings müssen dafür bestimmte Kriterien, wie die Mindesthöhe von einem Meter, erfüllt werden. "Ein mangelhafter Zaun, der Sicherheit nur vortäuscht, ist keine Sicherheitsmaßnahme", sagte Dunzendorfer. Gitterkonstruktionen, die man unter der Wasseroberfläche montiert, sind eine gute Alternative für jene, die keinen Zaun wollen.

In Österreich ertrinken jährlich durchschnittlich 75 Menschen. In den Jahren von 2004 bis 2008 starben 24 Kinder unter fünf Jahren durch Ertrinken. Die aktuellsten Zahlen (2009) werden Ende Juni von der Statistik Austria bekanntgegeben. (APA)

 

 

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