Wiesen brauchen fünf Jahre Regeneration

9. Juni 2010, 08:56
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Naturschützer ärgern sich: 600 Kubikmeter Hackschnitzel wurden zurückgelassen und nicht weggeräumt

Wels - Mindestens fünf Jahre werden die Magerwiesen der Welser Heide am Gelände des Welser Flugplatzes nach dem AC/DC-Konzert Ende Mai brauchen, um sich wieder zu regenerieren, schätzt Martin Schwarz, Biologe des Naturschutzbundes Oberösterreich.  Das Areal brauche jetzt Regenertationshilfe, denn die Wiesen seien durch die  Artenvielfalt ein genetischer Pool,  so Obmann Josef Limberger. Die Stadt Wels zog unterdessen eine positive finazielle Bilanz.

Der Flugplatz ist der letzte Rest der Welser Heide. Ähnliche Lebensräume in dieser Dimension gebe es weder in Oberösterreich noch in Bayern, so Limberger. Die riesige ebene Fläche erscheint auf den ersten Blick unspektakulär. Bei genauerem Hinsehen, erkennt aber selbst der Laie die Buntheit der Vegetation, die kennzeichnend für die ökologische Bedeutung des Areals ist.

600 Kubikmeter Hackschnitzel zurückgelassen

Beim AC/DC-Konzert habe es Schäden nicht nur durch die Besucher und schweres Gerät  gegeben, sondern auch durch die großflächig ausgebrachten Hackschnitzel, so die Naturschützer. Diese hätten nicht nur zu allergischen Reaktionen bei Besuchern geführt, sondern seien nach der Veranstaltung nur unvollständig entfernt worden. Rund 600 Kubikmeter wurden einfach zurückgelassen. Um den ursprünglichen Lebensraum zu erhalten, müsse die oberste Bodenschicht entfernt werden, ansonsten würde sich das Areal in eine Fettwiese verwandeln, erklärte Schwarz.

18 Hektar im Mitleidenschaft gezogen

Kritik übt der Naturschutzbund an der Stadt Wels: Bis heute habe man - entgegen vorheriger Zusagen - keine Einsicht in den Bescheid und das Naturschutzgutachten bekommen, so Limberger, der eine Umwelthaftungsklage angekündigt hat. Außerdem seien statt der geplanten zehn Hektar bis zu 18 Hektar in Mitleidenschaft gezogen und der Müll teilweise in den Boden eingearbeitet worden.

95.000 Besucher auf der Heide sind zuviel

Events mit 10.000 bis 20.000 Besuchern und außerhalb der Brutzeit seien kein Problem für das Gelände, will Limberger Veranstaltungen nicht komplett verbannen. Aber 95.000 Besucher, wie sei am 22. Mai gezählt wurden, seien einfach zu viel: "Wir wollen, dass das nicht mehr vorkommt." Der Naturschutzbund verlangt, dass "so viel wie möglich" von dem insgesamt rund 100 Hektar großen Areal unter Naturschutz gestellt wird.

Finanzieller Erfolg

Die Stadt Wels zog hingegen eine positive Bilanz des Konzerts: Rund 5.000 Übernachtungen seien in der Region verzeichnet worden. Der Imagegewinn entspreche Inseraten im Wert von 1,1 Mio. Euro. Der Naturschutzexperte der Stadt habe festgestellt, dass die Vogelpopulation "in gleichem Maße vorhanden ist wie vor dem Konzert". Limberger hingegen berichtete, man habe seither weniger Vögel beobachtet, genaue Zählungen gebe es aber nicht, weil die Nester im Gras verborgen seien. Der Welser FPÖ-Stadtrat Andreas Rabl forderte eine genaue Analyse der Veranstaltung. "Fraglich ist, in welcher Höhe Kosten angefallen sind und ob sie vom Veranstalter abgedeckt wurden." Dazu solle ein Runder Tisch einberufen werden, verlangte Rabl.(APA)

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