EU-Verbot für Leerverkäufe

9. Juni 2010, 18:15
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Deutschland und Frankreich haben die Kommission aufgefordert, schneller gegen hochspekulative Transaktionen vorzugehen

Wien/Brüssel/Berlin - Deutschland und Frankreich erhöhen den Druck auf die EU-Kommission in Brüssel, Vorschläge für eine strenge Kontrolle des Handels mit Finanzderivaten auf den Märkten vorzulegen. In einem gemeinsamen Brief an Präsident José Manuel Barroso fordern die deutsche Kanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy ultimativ mehr Tempo ein: Noch im Juli sollten Gesetzesvorlagen auf den Tisch der EU-Finanzminister kommen.

Konkret müsse die Transparenz von Leerverkäufen bei Aktien und Anleihen, besonders bei Staatsanleihen, gestärkt werden, erklären Merkel und Sarkozy. Das gelte auch für dem Markt mit Kreditausfallsversicherungen (CDS). Die Arbeit der Kommission solle sich "auch auf die Möglichkeit eines EU-weiten Verbots ... erstrecken".

Dementiert wurden von Regierungssprechern in Berlin und Paris eine Verstimmung zwischen Merkel und Sarkozy, nachdem ein Treffen der beiden in der deutschen Hauptstadt kurzfristig abgesagt worden war.

Heftige Kritik an den deutsch-französischen Forderungen kommt aus der Bankenbranche. Am Frühlingsgipfel des Institute for International Finance (IIF), eine Organisation der internationalen Banken, kritisierten die Financiers den Alleingang in Europa. Caio Koch-Weser, Vice-Chairman der Deutschen Bank, bezeichnete die Vorschläge als "besorgniserregend" und auch die Einigung des jüngsten G-20-Treffens in Südkorea würden alles andere als Mut machen. Timothy Adams, langjähriger US-Zentralbanker und heute beim Beratungsunternehmen The Lindsey Group, griff die "Reformen per Pressemitteilung" an, wie sie derzeit etwa in Deutschland betrieben würden. Diese Einzelgänge würden eine koordinierte Regulierung auf G-20-Ebene verhindern, so Adams.

Am IIF-Gipfel zeigten sich die Banker einig, dass ein koordiniertes, globales Vorgehen und mehr Mitsprache für Schwellenländer entscheidend seien, um die Weltwirtschaft anzukurbeln.

Denn wegen der europäischen Schuldenkrise gäbe es noch "keine solide Basis für Wachstum", betonte Jiang Jianqing, Vorstand der an der Kapitalisierung gemessen größten Bank der Welt, der Industrial and Commercial Bank of China. (tom, sulu, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.6.2010)

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    Merkel und Sarkozy verärgern Banker mit Alleingang.

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