Satirevideo sorgt für Aufregung

9. Juni 2010, 17:50
55 Postings

Der rechtsliberale Spitzenkandidat Rutte wird in einem Video als homosexuelles Muttersöhnchen dargestellt - niedrige Beteiligung

Den Haag - Nach einem sachlich geführte Wahlkampf kam es am Vorabend der Wahlen zu einem Streit um ein Internet-Video. In dem Spot wird der allein stehende VVD-Spitzenkandidat Rutte als homosexuelles Muttersöhnchen dargestellt. Der sozialdemokratische Spitzenkandidat Job Cohen wies Vorwürfe zurück, Wahlkämpfer seiner Partei würden hinter der Produktion des Videos durch eine populären Satire-Website stecken.

Stimmungstest für Europa

In den Niederlanden haben am Mittwoch vorgezogene Unterhauswahlen begonnen, die auch als politischer Stimmungstest in Europa gelten. Es sind dies die ersten Wahlen in einem wohlhabenden Land der Euro-Zone seit dem Ausbruch der Schuldenkrise. In allen Umfragen wurde dem regierenden "Christdemokratischen Appell" (CDA) von Ministerpräsident Jan Peter Balkenende (54) eine empfindliche Niederlage vorhergesagt. Rund 12,5 Millionen Bürger des Königreichs sind stimmberechtigt. Die Wahllokale schließen um 21.00 Uhr. Insgesamt treten 19 Parteien an. Gewählt werden die 150 Mitglieder des Unterhauses (Tweede Kamer) des Parlaments (Generalstaaten).

Bis zum Mittwochnachmittag gaben 38 Prozent der rund zwölf Millionen Wahlberechtigten die Stimme ab. Bei früheren Wahlen waren es um diese Zeit im Durchschnitt 43 Prozent.

Als wahrscheinlich gilt ein knapper Sieg der oppositionellen rechtsliberalen Partei für Freiheit und Demokratie (VVD). Sie trat mit einem radikalem Sparprogramm an, das auch erhebliche Kürzungen im sozialen Bereich vorsieht. In der Person von VVD-Chef Mark Rutte (43) könnte erstmals seit 1913 ein liberaler Politiker Regierungschef werden. Allerdings schrumpfte der Abstand der VVD auf die sozialdemokratische Partei der Arbeit (PvdA) des Amsterdamer Ex-Bürgermeisters Job Cohen (62) bei letzten Umfragen teils auf drei Mandate zusammen. Ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Liberalen und Sozialdemokraten wurde nicht mehr ausgeschlossen.

Wilders könnte Stimmen verdoppeln

Die umstrittene Partei für Freiheit (PVV) des rechtspopulistischen Islamkritikers Geert Wilders (46) könnte nach Umfragen ihre Mandate verdoppeln und dadurch viertstärkste politische Kraft nach Rechtsliberalen, Sozial- und Christdemokraten werden. Dabei könnte eine Rechts-Koalition unter Beteiligung von Wilders möglich werden.

Bei den Wahlen vom November 2006 hatten der CDA 41, die Sozialdemokraten 33 und die VVD 22 Mandate errungen. Im Oberhaus stellt der CDA mit 23 der 75 Sitze die stärkste Fraktion. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Die Niederländer wählen ein neues Parlament.

  • Die Kandidaten versammelt. Von links nach rechts: Alexander Pechtold (D66), Emile Roemer (Socialistic Party), Femke Halsema (Green Left), Job Cohen (Labour Party), Andre Rouvoet (Christian Union), Jan Peter Balkenende (Christian Democrats) Geert Wilders ( Freedom Party) und Mark Rutte (VVD). 
    foto: epa/robert vos

    Die Kandidaten versammelt. Von links nach rechts: Alexander Pechtold (D66), Emile Roemer (Socialistic Party), Femke Halsema (Green Left), Job Cohen (Labour Party), Andre Rouvoet (Christian Union), Jan Peter Balkenende (Christian Democrats) Geert Wilders ( Freedom Party) und Mark Rutte (VVD). 

  • Quelle: Youtube

    Das Satirevideo porträtiert den Spitzenkandidaten der Rechtsliberalen, Mark Rutte, als Muttersöhnchen.

Share if you care.