Kleiner Wagen, "schiefe Optik"

18. April 2003, 19:08
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"Extradienst": Dienstleister überwies Raten für Wagen von ORF-Mann

Der Informant kam extra eingeflogen, umfangreiche Geschäftsunterlagen im Gepäck und gar nicht medienscheu: Henk Makaske, Geschäftsführer der holländischen Firmengruppe Twister/ Teleworld. Er und Co-Geschäftsführer Frank Vaessen fühlen sich von ihrem bisherigen österreichischen Kompagnon ausgebootet. Makaske servierte Christian W. Mucha einen ganzen Schwung Dokumente darüber, wie der in der nächsten Ausgabe seines Fachmagazins Extradienst berichtet. Dabei tauchten auch Vorwürfe gegen einen hochrangigen ORF-Mitarbeiter auf.

Den Dokumenten zufolge, von denen Mucha berichtet, übernahm Michael Walter, Geschäftsführer der Teleworld Österreich beziehungsweise seiner eigenen Firma Contex, Leasingraten für einen Kleinwagen, den die Frau des ORF-Entwicklungschefs Helmut Radinger fährt. Laut Extradienst trat Radinger "nach einiger Zeit in den Vertrag ein" und hat "das Auto zum Restwert laut Leasingvertrag erstanden". Das bestätigt Radinger gegenüber dem Fachmagazin: "Ja. Aber wissen Sie was: Das Ganze ist so, dass er gesagt hat, er hat das, und er kann das günstiger machen." Leasingraten habe er Walter erstattet.

"Schiefe Optik"

Michael Walter wickelte über seine Firmen etwa das Televoting für "Starmania" und die Song-Contest-Vorausscheidung "song.null.drei" ab. Radinger betont im Fachblatt, er könne Walter "gar keine Aufträge geben", er habe mit der Auftragsvergabe des ORF nichts zu tun.

Eine "schiefe Optik" räumt Entwicklungschef Radinger in dem Gespräch allerdings ein: "Ja, das sehe ich auch - das geb' ich gerne zu", zitiert ihn das Magazin.

Walter war Freitag für den STANDARD nach Auskunft seiner Firma Contex nicht zu erreichen. Ein ORF-Sprecher betonte auf Anfrage, die Zitate Radingers seien nicht autorisiert. Im Übrigen überlege der ORF rechtliche Schritte.

Mucha verweist in seinem Editorial auch auf Versicherungen des Kaufmännischen ORF-Direktors Alexander Wrabetz: "Selbstverständlich" seien bei "gewohnt seriöser Berichterstattung" die "Anzeigenaufträge des ORF von unserer redaktionellen Berichterstattung nicht tangiert", schreibt der Magazinverleger. (fid/DER STANDARD; Printausgabe, 19./20./21.4.2003)

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