"Stimmung radikal geändert"

18. April 2003, 18:55
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Minister Rasim Ljajic setzt auf Wandel in Belgrad

Unter der Herrschaft von Slobodan Milosevic wurden in Serbien ein Jahrzehnt lang Menschenrechte permanent verletzt. Nach der Wende im Oktober 2000 verkündete die Reformregierung ihre Priorität: Serbien sollte demokratisiert und Menschenrechte für alle Bürger garantiert werden.

"Wir haben eine Charta über Menschen- und Minderheitenrechte unterzeichnet und die Konvention des Europarats für den Schutz nationaler Minderheiten angenommen. Im Umfeld des Gesetzwesens hat Serbien und Montenegro (SiCG) den europäischen Standard schon jetzt erreicht", sagte Rasim Ljajic, Minister der Staatengemeinschaft SiCG für Menschen- und Minderheitenrechte, zum STANDARD.

Mit ethnischen Problemen sei man immer noch konfrontiert, gibt Ljajic zu. Milosevic habe dieses Problem ignoriert, bis es eskaliert sei und entweder durch die völlige "Assimilation" oder durch "Migration gelöst wurde". SiCG wolle ethnische Probleme aber nur durch "Integration" lösen.

Immer noch könnten konservative nationalistische Kräfte in Serbien mit rund fünfzig Prozent der Wählerstimmen rechnen. Das sei auch ein Grund, warum in Serbien bis vor kurzem von Vergangenheitsbewältigung keine Rede sein konnte.

Nach dem Mordanschlag auf Premier Zoran Djindjic habe sich "die Stimmung radikal geändert", meint Ljajic. Während der Ermittlung sei unerwartet viel Schmutz an die Oberfläche gekommen, Beweise für Verbrechen, die sich mit einem "patriotischen Mäntelchen" geschmückt hätten. Immer mehr Menschen würden begreifen, dass mit der Ausrede, dem "Serbentum" zu dienen, schreckliche Verbrechen begangenen worden seien; dass "Patrioten" ihre persönlichen zu nationalen Interessen erklärt und Menschen ermordet hätten.

Endlich sei man in Serbien bereit, sich mit der eigenen, unschönen Vergangenheit und Verantwortung zu konfrontieren, sagte der Minister - selbst ethnischer Bosniake und damit Angehöriger einer Minderheit in Serbien. (DER STANDARD,Printausgabe,19.4.2003)

Andrej Ivanji aus Belgrad
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