Wiener Probleme mit Mutterkonzern

18. April 2003, 18:37
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Das Werk in Meidling schreibt Gewinne - Nur die Forderungen gegen die insolvente Zentrale färben die Bilanzen rot

Wien - Das Grundig-Werk in Wien-Meidling hat in den vergangenen fünf Jahren zwar durchgängig Gewinne geschrieben, wie aus der Firmendatenbank des Wirtschaftsverlags Hoppenstedt hervorgeht. Dennoch schwebt Grundig Austria wegen der hohen, kaum einbringbaren Forderungen gegen den zahlungsunfähigen Mutterkonzern in Insolvenzgefahr. In heimischen Bankenkreisen heißt es dazu: "Man kann auf dem Papier jeden Gewinn darstellen, wenn interne Verrechnungspreise herangezogen werden."

Der vor gut einer Woche wirksam gewordene Produktionsstopp ist bis 28. April verlängert worden. Die Wiederaufnahme der Produktion hängt wesentlich davon ab, ob es Mutter Grundig gelingt, das für die Produktion notwendige Material zu finanzieren. Eine Finanzierung durch die Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) wird ausgeschlossen, zumal das Unternehmen bereits 71 Mio. Euro Bankverbindlichkeiten haben soll. Die Gesamtverbindlichkeiten von Grundig Austria werden auf rund 90 Mio. Euro geschätzt.

Der Vorsteuergewinn (EGT) von Grundig Austria hat laut Hoppenstedt im vergangenen Jahr knapp zwei Mio. Euro betragen. Der Umsatz ist im Vorjahr, wie berichtet, von 478,45 auf 434,27 Mio. Euro geschrumpft.

Gläubigerschutzverbände und Gewerkschaften betrachten eine Insolvenz des Meidlinger Werks mit 850 Beschäftigten als nicht mehr vermeidbar. Die Arbeiterkammer fordert, die seit drei Jahren "in den Schlafzustand versetzte" Pleiteholding GBI wieder einzusetzen. (DER STANDARD Print-Ausgabe, 19.4.2003)

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