Kommentar: Achtung Förderfalle

18. April 2003, 18:18
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Weiße raus, Rote rein: Die Spezialisierung auf umsatzstarke Sorten birgt Gefahren in sich - Von Leo Szemeliker

Rotwein liegt im Trend, seit Jahren. Die vergangenen drei Jahrgänge haben in Österreich sensationelle Tropfen hervorgebracht. Die Etiketten der Spitzenprodukte trugen bekannte Namen, aber auch viele Junge ergriffen die Chance, dass das Angebot mit der Nachfrage noch nicht mithalten konnte. Insgesamt schafften Österreichs Winzer im Vorjahr einen Exportrekord, wenn auch vor allem mit Massenprodukten im Fass.

Nun gibt es seit dem Jahr 2000 Fördergelder dafür, Weißweingärten auszureißen und Rotweinsorten dafür einzupflanzen. Vordergründig vernünftig, bei Ausfuhrzuwächsen bei den Roten von einem Drittel. Doch die Sache birgt Gefahr: Winzer geraten in Versuchung, der Förderung wegen sich auf Sorten einzulassen, die nicht zum Standortklima passen. Ein Cabernet Sauvignon aus dem Weinviertel wird es schwer haben - im In- wie im Ausland. Opinionleader wie das Magazin Falstaff predigen seit längerem, nicht Trends nachzulaufen, weniger Sorten anzubauen, dafür aber regionstypisch Meisterschaft zu erringen.

Auch gegen die Kleinteiligkeit der heimischen Wirtschaft gibt es Rezepte, die international funktionieren. In Kalifornien etwa halten sich Riesen wie Gallo oder Beringer "Zulieferbetriebe", denen sie strenge Qualitätsrichtlinien auferlegen, aber auch Know-how und Einkaufsmacht bei den Betriebsmitteln bringen. Manche dieser "Ranches" sind durch weltweite Vermarktung über die Großgüter so bekannt geworden, dass sie selbst unter eigenem Namen mittlerweile Exporterfolge erzielen.

Die heimische Gastronomie sieht die Sache ohnehin oft anders. Eveline Eselböck, Chefin des burgenländischen Haubenlokales Taubenkobel, sagt etwa: "Macht gar nichts, wenn sie nicht gar so viel exportieren. Dann haben wir in Österreich wenigstens die Chance, gute Qualität ausreichend zu bekommen." (DER STANDARD Print-Ausgabe, 19.4.2003)

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