Irakischer Thronanwärter im STANDARD-Interview: "Die Amerikaner sind für uns der bessere Partner"

18. April 2003, 18:11
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Die Iraker wollen nicht die UNO im Irak, sondern die USA - denn die könnten sie leichter wieder loswerden

Sherif Ali bin Al Hussein ist derzeitiger Vorsitzender des "Irakischen Nationalkongresses" (INC), des irakischen Oppositionsdachverbands. Er leitet zugleich die "Bewegung der konstitutionellen Monarchie", eine der Parteien des INC. Sherif Ali ist als Cousin des letzten irakischen Königs Faisal II. ein Thronanwärter.

Standard: Was haben Sie empfunden, als Saddam Husseins Statue fiel?

Sherif Ali: Amerikanische Soldaten haben den Irakern geholfen, die Statue zu Fall zu bringen. Insofern war dieser Vorfall auch ein Symbol für die tatsächlichen Ereignisse. Diese Bilder haben ein Gefühl unbeschreiblicher Freude ausgelöst. Wir haben Jahrzehnte darauf hingearbeitet.

Standard: Sind Sie enttäuscht, dass die USA Sie nicht in die Pläne für den Nachkriegsirak einbezog?

Sherif Ali: Wir sind ständig mit ihnen im Gespräch. Sie suchen unseren Beitrag.

Standard: Wie stehen die Iraker zur UNO?

Sherif Ali: Die Iraker mögen die UNO nicht. Sie verbinden damit Sanktionen und das Gefühl, im Stich gelassen zu werden. Obwohl Saddam Hussein Menschen ermordet und brutal unterdrückte, hat sich die UNO nicht eingeschaltet.

Wenn die UNO jetzt in den Irak kommt, befürchten wir eine Aushöhlung unserer Souveränität. Ihr Verbleiben wäre völkerrechtlich legitim. Bei der Frage, wann sie das Land wieder verlassen soll, liefen wir Gefahr, zum Spielball des neuen Machtkonflikts innerhalb der UNO zwischen Russland, Frankreich und China auf der einen Seite und den USA und Großbritannien auf der anderen zu werden.

Standard: Den Amerikanern müssten sich die Iraker auch unterordnen.

Sherif Ali: Trotzdem sind die Amerikaner der bessere Partner für uns. Ihre Stärke bedeutet, dass sie getroffene Entscheidungen durchsetzen können. Mit Amerika hätten wir einen einzigen Ansprechpartner. Es gibt keine legale Basis, die ihnen den Aufenthalt in Irak länger als notwendig gestattet. Deshalb brauchen wir uns keine Sorgen um ihren rechtzeitigen Abzug zu machen.

Standard: Welche Rolle sollte die irakische Opposition in der kommenden Übergangsregierung haben?

Sherif Ali: Wir sind nun keine Opposition mehr. Das Regime ist gefallen, und wir sollten uns als politische Parteien bezeichnen. Zunächst müssen wir Sicherheit und Stabilität schaffen. Wie der Weg dahin aussieht, hängt ab von den Gesprächen, die wir in nächster Zeit mit den inländischen Gruppen führen werden.

Standard: Wie groß ist die Gefahr einer Balkanisierung?

Sherif Ali: Es gibt keine Separationsbestrebungen in Irak. Selbst die Kurden erkennen, dass ihre jetzige Situation die beste aller möglichen Optionen ist. Die Schiiten bilden die Mehrheit und haben keinen Grund, sich abzuspalten. Die Sunniten hätten die Wahl, als kleines verarmtes Land zwischen Syrien und der Türkei zu leben. Damit gibt es kein sinnvolles Motiv für Autonomiebestrebungen.

Standard: Was sollte eine konstitutionelle Monarchie dem Irak bringen?

Sherif Ali: Traditionell werden die Haschemiten als neutrale Institution angesehen. Eine Monarchie könnte damit zum stärkeren Verschmelzen der Volksgruppen beitragen. (DER STANDARD, Printausgabe, 19.4.2003)

Die Iraker wollen nicht die UNO im Irak, sondern die USA - denn die könnten sie leichter wieder loswerden, sagt der Haschemitenspross Sherif Ali bin Al Hussein im Interview mit Heike Kreutz-Arnold in London.
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    Sherif Ali bin Al Hussein

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