Italien steht vor einer Weinblase

18. April 2003, 17:57
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Der Boom im Nachbarland ist vorbei - Bei "Vinitaly" herrscht getrübte Stimmung

Nach vielen fetten Jahren befürchten Italiens Topwinzer nun ein Ende des Booms. Bei Europas wichtigster Weinmesse, der Vinitaly in Verona mit 4000 Ausstellern, herrschte Trübsal. Giovanelli Stanti-Mascheroni vom Chianti-Spitzenerzeuger Castello di Volpaia berichtete über Absatzrückgänge in Deutschland, Österreich und der Schweiz von bis zu 50 Prozent. Dennoch konnte der Weinbetrieb weltweit zehn Prozent zulegen, da "wir die Preise nicht so verrückt wie andere korrigiert haben".

Was bereits zahlreiche Luxusgüterhersteller von Gucci über Prada bis zu LVMH zu spüren bekamen, macht sich nun auch bei Italiens Weinherstellern bemerkbar. Nicht allein die Marke bzw. der Glamour sind gefragt. Die Konsumenten fordern echte Qualität und ein gesundes Preis-Leistungs-Verhältnis. Vor allem die Topsegmente wie etwa "Ultra Premium" mussten empfindliche Einbußen hinnehmen. Alles, was über 15 Euro pro Flasche liegt, sei den Konsumenten suspekt.

"Stehen vor einer Weinblase"

"Wir stehen vor einer Weinblase", bestätigten Weinjournalisten in Verona. Der Verbraucher sei inzwischen wegen der zahlreichen ungerechtfertigten Preissteigerungen verunsichert. Nach einer Korrektur von 22 Prozent für Qualitätsweine im Jahr 2001 kletterten die Preise im Vorjahr um ein weiteres Drittel und legten auch 2003 im Schnitt bis zu zehn Prozent zu. Vor allem bei den renommierten Rotweinen aus dem Piemont, aber auch beim Chianti aus der Toskana gab es saftige Preissteigerungen.

Die hohen Preise waren auch ausschlaggebend dafür, dass im Vorjahr der Weinumsatz um acht Prozent auf 8,5 Mrd. Euro zunahm, obwohl die Produktion um fünf Prozent auf 47 Mio. Hektoliter zurückfiel. Die Exporte legten gleichzeitig um fünf Prozent auf 2,7 Mrd. Euro zu. Wichtigster ausländischer Absatzmarkt bleibt trotz drastischer Rückgänge Deutschland. So kommen 42 Prozent aller Tropfen, die in Deutschland getrunken werden, aus Italien.

Einige italienische Winzer genießen allerdings mittlerweile einen Ruf, dass ihnen Weinliebhaber ihre Tropfen ungeachtet der Preise aus der Hand reißen. So hatten vom 97er Brunello von Jacopo Biondi Santi bereits rund 70 Prozent der Flaschen einen Käufer gefunden, bevor er noch auf dem Markt war. Und das bei einem Preis von rund 100 Euro. (Thesy Kness-Bastaroli, DER STANDARD Print-Ausgabe, 19.4.2003)

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