Deutschland: Mord an Geschwistern aufgeklärt

18. April 2003, 17:08
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Hauptverdächtige gestanden "gemeinschaftliche Tötung"

Aachen - Der Mord an den Geschwistern Sonja und Tom aus Eschweiler in Deutschland ist weitgehend aufgeklärt. Kurz nach ihrer Auslieferung aus der Schweiz gestanden der 28-jährige Computerfachmann Markus W. und der 33 Jahre alte Hausmeister Markus L. die "gemeinschaftliche Tötung" der Kinder, wie die Staatsanwaltschaft Aachen am Freitagmittag mitteilte.

In der Schweiz gefasst

Nach den Männern, die auch aus Eschweiler stammten, war seit Mittwoch mit internationalem Haftbefehl gefahndet worden. Donnerstag früh wurden sie auf der Autobahn 2 im Schweizer Kanton Solothurn ohne Gegenwehr gefasst und noch am selben Tag in Weil am Rhein der deutschen Polizei übergeben.

Nach Angaben von Staatsanwalt Alexander Geimer gestanden die beiden Männer bei einer ersten Vernehmung vor deutschen Kriminalbeamten sofort die Tat. Markus W. habe das Geständnis später auch vor dem Ermittlungsrichter am Amtsgericht Aachen wiederholt. Markus L. dagegen habe bei dieser zweiten Vernehmung von seinem Recht auf Aussageverweigerung Gebrauch gemacht. Gegen die Beschuldigten wurde Haftbefehl erlassen. Über Details der Geständnisse und das mögliche Tatmotiv machte der Staatsanwalt "aus ermittlungstechnischen Gründen" keine weiteren Angaben.

Eine Sprecherin des Schweizer Bundesamts für Justiz teilte mit, die rasche Auslieferung sei möglich geworden, weil die beiden Männer einer formlosen Überstellung zugestimmt hätten. Das Fluchtauto, ein schwarzer Fiat Punto, mit den beiden Tatverdächtigen war zwei Autofahrern in der Schweiz aufgefallen, die die Polizei alarmierten. Die Beamten stoppten die Deutschen auf der A2 und nahmen sie schließlich auf einer Raststätte fest. Die Männer leisteten keinen Widerstand. In ihrem Auto wurde eine Schreckschusspistole sichergestellt. Bei ihrer Verhaftung sagten sie, sie hätten sich den Behörden ohnehin stellen wollen.

Polizei geht von Sexualmotiv aus

Die beiden Männer lebten in Eschweiler in nebeneinander liegenden Wohnungen des selben Wohnblocks. Das Haus liegt in der selben Gegend wie das Elternhaus der ermordeten Kinder. Ob die Beschuldigten Tom und Sonja kannten, steht noch nicht fest. Bislang geht die Polizei von einem Sexualverbrechen aus. Der Hausmeister Markus L. soll früher Hausbewohnerinnen mit exhibitionistischen Auftritten und Äußerungen belästigt haben. Staatsanwalt Geimer betonte allerdings, beide Männer seien nicht vorbestraft.

Der elfjährige Tom war am 31. März, einen Tag, nachdem er mit seiner neun Jahre alten alten Schwester nicht mehr vom Spielen auf einem früheren Zechengelände zurückgekehrt war, erwürgt auf einem Waldparkplatz aufgefunden worden. Das tote Mädchen wurde am 6. April in einem Wald bei Euskirchen in der Eifel entdeckt. Es war erdrosselt worden.

Die Polizei kam über mehrere Indizien auf die Spur der beiden Männer: das schwarze Auto, eine bei der Leiche des Buben gefundene Spezialzange, Fingerabdrücke und DNA-Spuren. Der Durchbruch bei den Ermittlungen der 80-köpfigen Mordkommission kam am Mittwoch sehr plötzlich. Aus den 1.400 Hinweisen aus der Bevölkerung verdichtete sich nach Angaben der Ermittler eine Spur. Diese führte zur Identifizierung eines Fingerabdrucks. Nachdem die Ermittlungsbehörde am vergangenen Montag für Donnerstag einen Massen-Gentest angeordnet hatte, hatten sich Markus W. und Markus L. offenbar zur Flucht entschlossen. (APA/AP/Reuters)

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