Brecht-Premiere im Grazer Schauspielhaus

20. April 2003, 12:00
posten

"Herr Puntila und sein Knecht Matti" in Inszenierung von Marcus Mislin und Deborah Epstein

Graz - Bertolt Brechts Drama "Herr Puntila und sein Knecht Matti" ist am 26. April die nächste Premiere im Grazer Schauspielhaus. Das Regieduo Deborah Epstein und Marcus Mislin beschäftigt sich mit dem 1940 in Finnland entstandenen Stück, in dem die Hauptfiguren damit beschäftigt sind, ihre Abhängigkeit zu überleben und ihre Würde zu bewahren.

Auf der Flucht geschrieben

Brecht war von Juli bis Oktober 1940 auf seiner Flucht vor dem Nazi-Regime Gast bei der finnischen Schriftstellerin Hella Wuolijoki auf Gut Marlebäk. Hier schrieb er "Herr Puntila und sein Knecht Matti" nach einer Erzählung seiner Gastgeberin. Dem Stück lag eine Kurzgeschichte mit dem Titel "Ein finnischer Bacchus" zu Grunde. Brecht beschrieb es als "Abenteuer eines finnischen Gutsbesitzers und seines Schofförs, er ist nur menschlich, wenn er betrunken ist, da er dann seine Interessen vergisst".

Die Uraufführung fand am 5. Mai 1948 am Schauspielhaus Zürich statt. Nach der "Dreigroschenoper" ist "Puntila" eines der meistgespielten Stücke des Autors. Die Regisseure Deborah Epstein und Marcus Mislin interessierte vor allem die Widersprüche in der Figur des Puntila: "Diese Widersprüche halten die Komödie am Laufen. Alle Figuren sind dauernd damit beschäftigt, ihre Abhängigkeit von Puntila mit enormer Flexibilität zu überleben und dabei noch ein Stückchen Würde zu bewahren. In diesem Hürdenlauf um die Gunst des Arbeitgebers ist das Stück sehr heutig."

Ein Säufer mit zwei Seelen

Das Volksstück über die unberechenbare doppelgesichtige Natur des Gutsbesitzers und Kapitalisten Puntila hat nach wie vor nichts von seiner Aktualität eingebüßt. Puntila ist ein Säufer mit zwei Seelen: Im alkoholisierten Zustand ist er "menschlich", nüchtern ein brutaler Ausbeuter und Machtmensch. Im Suff verlobt er sich mit vier Bräuten, holt sich Arbeiter auf seinen Hof und verspricht seinem Chauffeur Matti die Hand seiner Tochter Eva.

Im stocknüchternen Zustand löst er eiligst seine Heiratsversprechen, jagt die Bräute vom Hof, setzt die Arbeiter wieder auf die Straße und gibt seine Tochter einem schmierigen Attache. Sein Chauffeur Matti passt sich zunächst den wechselhaften Stimmungen seines Herrn auf pragmatisch-geduldige Weise an. Als ihm Puntila jedoch - wieder einmal sternhagelvoll - seinen halben Wald schenken möchte, zieht er weg und wird sein eigener Herr.(APA)

"Herr Puntila und sein Knecht Matti" von Bertolt Brecht. Premiere am 26. April im Grazer Schauspielhaus.

Informationen unter Theater Graz, Karten unter Tel.: 0316 8000
Share if you care.