Im Bann der Schokohasenüberpopulation

18. April 2003, 18:54
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Süßes ist zu Ostern gefragt, auch die heimische Legehenne muss sich anstrengen - Handel freut sich über Trend zu Qualität

Wien - Die rund fünf Millionen heimischen Legehennen mussten sich heuer besonders angestrengen: Erstmals werden die Österreicher zu Ostern mehr als 100 Millionen Eier - 12,5 Stück pro Person - essen. Das schätzt Agrarmarkt Austria. Etwas mehr als die Hälfte verkauft der Handel, der Rest kommt direkt vom Hof.

Standardisierte Färbequalität

50 Millionen Eier werden bereits gefärbt gekauft. Der Trend der Vorjahre setzt sich damit heuer fort. Grund: "Die standardisierte Färbequalität in den vier österreichischen Färbereien und die Tatsache, dass diese Eier gleichmäßiger gekocht sind", so Stephan Mikinovic, AMA-Marketingchef.

"Von den im Jahr verkauften 125 Millionen Eiern verkaufen wir rund 30 Prozent im Ostermonat", sagt Spar-Sprecherin Nicole Berkmann. Sie erwartet sich ebenfalls eine deutliche Steigerung bei den gekochten und gefärbten Eiern. War das früher ein eher städtischer Trend, so würden die fertigen Ostereier nun auch vermehrt in ländlichen Gebieten verkauft. Auch zu Ostern stehe offenbar der Convenience-Gedanke immer mehr im Mittelpunkt. Zusätzlich werde die Qualität der Fertigeier von Jahr zu Jahr besser.

Weiße Freilandeier

Der ganzjährige Trend zu Bio- und Freilandeiern sei auch in der Osterzeit zu beobachten. Spar bietet daher heuer erstmals auch weiße Freilandeier an. Diese sind zwar leichter zu färben, stehen aber in Österreich aufgrund der schwierigeren Haltung der Hühner, die weiße Eier legen, nicht ausreichend zur Verfügung. Das Angebot ist auf Wien, Niederösterreich, Tirol und Salzburg beschränkt.

Da für Ostern aufgrund des erhöhten Mengenbedarfs mehr Legehühner eingestellt werden, gibt es nach den Feiertagen traditionell einen Eierüberschuss. Heuer zeichnet sich bereits ein Export nach Deutschland und vor ^allem in die Niederlande ab. Dort mussten nämlich wegen der Geflügelpest Millionen Hühner getötet werden.

Schoko-Innovationen

Insgesamt wurden im Jahr 2002 laut AMA rund 900 Millionen Frischeier gekauft. Der Pro-Kopf-Verbrauch beträgt 228 Stück. Damit liegt Österreich hinter Italien (269) und Frankreich (255).

Zum Süßen: In stets neuen Varianten von Schokohasen sehen Marktforscher einen Grund dafür, dass das Süßwarensegment stärker wächst als der gesamte Lebensmittelhandel. "Innovationen sind der Wachstumsmotor, trotz dem Trend zu Diskont", so Wolfgang Hölzlsauer von ACNielsen. Marktführer Milka erwartet zu Ostern fünf Prozent plus. Lindt & Sprüngli rechnet ebenfalls mit Zuwachs. Saisonware gewinnt jährlich mehr an Bedeutung - siehe Halloween oder Valentinstag. (DER STANDARD Print-Ausgabe, 19.4.2003)

Von Robert Zwickelsdorfer und Leo Szemeliker
  • Artikelbild
    montage: derstandard.at
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