Volksbanken halten Gewinne in rauem Umfeld

18. April 2003, 13:11
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Zweistelliger Geschäftszuwachs - Mehr Filialen und Mitarbeiter

Wien - Bei zweistelligem Geschäfts-Wachstum hat der österreichische Volksbankensektor (70 Institute, 600 Bankstellen, 5.100 Beschäftigte) seine Ertragsposition im rauen Konjunkturfeld 2002 vergleichsweise stabil gehalten. Im Betriebsergebnis gab es einen minimalen Zuwachs um 0,2 Prozent von 271,2 auf 271,7 Mio. Euro. Damit halte man, wie am Freitag erklärt wurde, in der Ertragskraft weiter eine Spitzenposition unter den heimischen Banken. Relativ zum Bilanzvolumen gab es beim Betriebsgewinn aber einen Rückgang. Leicht höher waren die Kreditvorsorgen.

Während die gesamte Bankbranche in Österreich im Jahr 2002 einen Absturz im EGT um rund 34 Prozent erlitten habe, sei auch das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit im Volksbanken-Sektor (67 Primärbanken, Spitzeninstitut ÖVAG und zwei inländische Finanztöchter, ohne Auslandstöchter) nach vorläufigen Daten mit 127,5 Mio. Euro um 1,1 Prozent höher ausgefallen als 2001. (Das endgültige EGT auf Basis der geprüften Bilanzen lag nach heutigen Sektor-Angaben 2001 bei 126,2 Mio. Euro, nach vorläufigen Daten war man vor Jahresfrist für 2001 noch von 140 Mio. Euro ausgegangen, Anm.). In der Volksbanken-Primärstufe gab es hier 2002 (vorläufig) einen Rückgang um 0,9 Prozent auf 80,5 (2001: 81,2) Mio. Euro.

"Finanzielle Nahversorger ersten Ranges"

Die Volksbanken betrachten sich hierzulande als "finanzielle Nahversorger ersten Ranges". Dem entsprechend baue man Filialpräsenz und Personalstand aus, wogegen andere Großbanken Stellen abbauten. Während die österreichische Bank-Branche 2002 per Saldo um gut 100 Leute weniger beschäftigte als 2001, kamen bei die Volksbanken 60 Mitarbeiter dazu. Ihre Filialzahl stieg per Ende 2002 um 6 auf glatt 600. Zum Vergleich die heimische Gesamtbranche: Insgesamt seien 2002 85 Filialen geschlossen worden. Dafür ist bei den Volksbanken aber der Aufwand stärker angestiegen als bei den anderen.

In absoluten Zahlen sei der kumulierte Betriebsgewinn im zweistufigen Sektor zwar gestiegen, der relative Anteil des Betriebsergebnisses der Volksbanken an der durchschnittlichen Bilanzsumme ging 2002 jedoch zurück, von 0,99 auf 0,89 Prozent. In der Primärstufe lag die Quote bei 1,09 (2001: 1,21) Prozent. Beide Werte lägen allerdings deutlich über dem Branchenmittel, das von der Nationalbank für 2002 für die Banken in Österreich mit 0,73 Prozent beziffert wurde.

Der Nettozinsertrag im Volksbankensektor besserte sich 2002 um 2,9 Prozent auf 466,5 Mio. Euro, die Zinsspanne in Relation zur Bilanzsumme sank aber um 7,5 Prozent auf 1,53 Prozent. Trotz der fortgesetzten Wertpapier-Schwäche sei auch der Provisionsertrag netto um 0,4 Prozent auf 176 Mio. Euro leicht angewachsen.

Das Bilanzvolumen (vorläufig, nach Quartalsberichten) ist 2002 um 11,3 Prozent auf 30,5 Mrd. Euro gewachsen. In der Primärstufe gab es dabei einen Zuwachs um 8,3 Prozent auf 17,8 Mrd. Euro. Im sektoralen Geschäftsvolumen (Forderungen an Kunden plus Verbindlichkeiten gegenüber Kunden) gab es ein Plus um 11,9 Prozent auf 34,7 Mrd. Euro.

Um 13,3 Prozent auf 18,6 Mrd. Euro legten die Primärmittel zu. Bei den Einlagen registrierte der Volksbankensektor eine "Renaissance" des Sparbuchs, die Spareinlagen seien doppelt so stark gestiegen wie in der Branche insgesamt, um 3,9 Prozent auf 8,9 Mrd. Euro.

Die Direktkredite stiegen im Sektor 2002 um 5,4 Prozent auf 15,4 Mrd. Euro, davon in der Primärstufe um 5,9 Prozent auf 11,4 Mrd. Euro. Damit lag der Sektor im Kreditgeschäft ebenfalls über Branchenschnitt. Hans Hofinger, Vorstandschef des Volksbanken-Dachverbands ÖGV: "Wenn sich Großbanken jetzt aus dem KMU-Kreditgeschäft zurück ziehen, tun wir das nicht. Wir wollen gerade in dieser Sparte wachsen."

Für Kreditrisikovorsorgen mussten in der Primärstufe im Vorjahr 117 Mio. Euro aufgewendet werden, 2001 seien es 114 Mio. Euro gewesen. Für das Spitzeninstitut ÖVAG wurden dazu noch keine Angaben gemacht.(APA)

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