90-prozentige Heilungschancen bei Morbus Hodgkin

21. April 2003, 20:00
posten

Experten wollen jetzt Folgeschäden der Strahlentherapie dieses Lymphdrüsenkrebses minimieren

Köln - Angesichts der enormen Erfolge bei der Behandlung von Morbus Hodgkin konzentrieren sich Krebsexperten jetzt darauf, mögliche Folgeschäden der Strahlentherapie zu minimieren. Die Heilungsraten bei dieser besonderen Form des Lymphdrüsenkrebses sind in den vergangenen dreißig Jahren auf rund neunzig Prozent gestiegen, wie die Deutsche Krebshilfe in Köln berichtet. "Es geht heute nicht mehr allein um die Heilung, sondern auch darum, den Patienten eine hohe Lebensqualität während und nach der Therapie zu ermöglichen", sagt der Geschäftsführer der Organisation, Gerd Nettekoven.

Zweittumore

Als Folge der intensiven Strahlen- und Chemotherapie drohen den Patienten unter anderem Zweittumore. Um dies zu verhindern, setzen die Mediziner mittlerweile verstärkt auf die so genannte "Involved Field"-Strahlentherapie, wie der Leiter der deutschen Hodgkin-Lymphom-Studiengruppe, Volker Diehl, berichtet. Dabei würden zum Schutz der Organe nicht der ganze Körper, sondern nur die befallenen Lymphknotenbereiche gezielt bestrahlt.

Enorm wichtig sei dafür aber eine sehr genaue Beurteilung der Computer- und Magnet-Resonanz-Tomographie-Bilder. Von Anfang an müsse die richtige Behandlungsstrategie gewählt werden: "Da die entarteten Zellen schnell widerstandsfähig werden, sollte gleich zu Therapiebeginn die Strahlen- und Chemotherapie in nicht zu geringer Dosis verabreicht werden", betont der Kölner Medizinprofessor.

Balkan-Syndrom

Die bösartige Erkrankung des Lymphsystems gehört zu den eher selteneren Krebserkrankungen, die vor allem im jungen Erwachsenenalter auftreten. Als Risikofaktoren gelten Infektionen mit dem Epstein-Barr-Virus. Auch genetische Ursachen werden nicht ausgeschlossen. Auch Munition und Bomben mit abgereichertem Uran werden für die Krankheit verantwortlich gemacht - man spricht auch vom "Balkan-Syndrom". (APA/AP)

  • Artikelbild
    foto: derstandard.at
Share if you care.