Ferrero-Waldners "Indiskretionen": Außenamt kontert Vorwürfe

18. April 2003, 19:32
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Aussage über Lebenszeichen war mit Algerien abgestimmt - Bruch von Abmachungen empörte die deutschen Stellen

Wien/Algier - "Behutsam" sei die Informationspolitik des österreichischen Außenministeriums zu den 31 in Algerien verschollenen Touristen, unter denen auch zehn Österreicher sind, gewesen. So reagierte das Außenamt auf Vorwürfe des deutschen Innenministers Otto Schily, der laut eines Artikel im Nachrichtenmagazin Der Spiegel der heimischen Außenministerin Benita Ferrero-Waldner den Bruch von Abmachungen vorgeworfen hatte.

Verschwundene nicht unnötig in weitere Gefahr bringen

Besonders der Bericht Ferrero-Waldners nach ihrer Rückkehr aus Algier am 12. April, in dem sie den Fund einer Nachricht der Verschwundenen bekannt gab, empörte die zuständigen deutschen Stellen. Angeblich habe es eine Vereinbarung gegeben, keine Details über die Fahndung zu veröffentlichen, um das Leben der Verschwundenen nicht zu gefährden.

"Diese Aussage war mit den algerischen Behörden abgestimmt", hieß es dazu am Freitag aus dem Außenministerium. Man bemühe sich weiterhin, das Leben der Vermissten zu schützen. Darüber hinaus habe das Außenamt aber nie Stellung bezogen und Berichte über Entführungen weder bestätigt noch dementiert. So auch am Freitag, an dem die Informationspolitik weiter behutsam blieb. "Es gibt einfach nichts. Wir hoffen weiter auf ein Auftauchen der Verschollenen", erklärte Thomas Buchsbaum, Leiter der Sondermission in Algier. Zu den Gerüchten, dass zumindest ein Teil der 31 Touristen lokalisiert worden sei, nahm er nicht Stellung.

"Exzellente Saison" In der südalgerischen Stadt Tamanrasset bleiben die Reiseveranstalter unterdessen gelassen. "Die Saison war exzellent", meint ein algerischer Reiseagenturmitarbeiter. Noch immer kämen Charterflüge mit europäischen Touristen, die auf Wüstentour gehen wollen, an. Spätestens Ende Mai wird die Hitze der Sahara-Saison dann ein Ende bereiten. (APA, AFP, moe, DER STANDARD Printausgabe 19/20.4.2003)

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