Venedig: Pfarrer lässt Botero-Skulpturen entfernen

18. April 2003, 11:17
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Künstler wehrt sich: "Ist es möglich, dass in einer Kunststadt wie Venedig die Pfarrer regieren?"

Venedig - Eine große Schau von Skulpturen des kolumbianischen Künstlers Fernando Botero (71) hat in Venedig eine "Priester-Revolte" ausgelöst. Der Pfarrer der Basilica della Salute, der berühmtesten Kirche Venedigs nach der Sankt Markus-Basilika, Lucio Cilia, protestierte heftig gegen die Monumentalskulpturen, die bis 8. Juni an verschiedenen Plätzen der Stadt und entlang des Kanals aufgestellt sind. Drei davon - die Riesenstatue eines Pferdes und zwei Büsten - wurden vor der Basilica della Salute platziert, was die heftige Reaktion Cilias und anderer Pfarrer der Lagunenstadt auslöste.

Die Skulpturen Boteros seien vor einer prestigereichen Kirche und einem historischen Monument wie der Basilika inakzeptabel, betonte Cilia. Der heftige Protest bewirkte eine Kompromisslösung. Die beiden Bronzebüsten wurden vom Platz vor der Basilika entfernt, die riesige Pferdestatue durfte bleiben. "Drei Statuen vor der Basilika waren vielleicht zu viel", gab Armando Peres, das für Kulturfragen zuständige Mitglied des Venediger Ausschussrates, zu.

Die Reaktion

Fernando Botero sieht das anders. Der Künstler protestierte heftig gegen die Entfernung der beiden Büsten vom Platz vor der Basilika. "Es ist einfach lächerlich. Ist es möglich, dass in einer Kunststadt wie Venedig die Pfarrer regieren?", fragte Botero nach Angaben der Mailänder Tageszeitung "Corriere della Sera". Botero warnte vor einer "klerikalen Diktatur". "Meine Figuren sind plastisch, nicht erotisch. Meine Werke sind in den größten Städten der Welt mit Enthusiasmus empfangen worden. Niemand hatte jemals etwas gegen sie zu sagen. Warum gerade in Venedig so viel Entrüstung entstehen musste, ist mir rätselhaft", sagte Botero.

Der Gemeinderat Venedig hat auf Botero gesetzt, um Kunstfreunde in die Lagunenstadt zu locken. Im Dogenpalast sind außerdem bis 13. Juli 25 Gemälde aus den vergangenen fünf Jahren zu sehen. Botero hatte bedauert, dass seine Skulpturen vor der Eröffnung der Kunstbiennale am 15. Juni wieder entfernt würden, er bezeichnete die Biennale als "kulturelle Diktatur". (APA)

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