Schlacht um die Kinder

25. April 2003, 16:15
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18.4.2003 - Der Kampf zwischen "NEWS" und "Kronen Zeitung" um die Hegemonie über die österreichische Seele - wer ...

... befriedigt ein existenzielles Bedürfnis nach Kitsch ohne Rücksicht auf den guten Geschmack besser - kennt keinen Osterfrieden. Die Instrumentalisierung des von den Bomben getroffenen kleinen Ali zieht sich nun schon durch drei Nummern des Magazins, beginnend von der Zurschaustellung des blutigen Kinderkörpers auf dem Titelblatt, über die bei den Lesern damit erzeugten Emotionen eine Woche später, um sich diese Woche wenig überraschend zu rühmen: Auf NEWS-Leser ist Verlass - sie haben gespendet.

Da will sich der "NEWS"-Schreiber auch nicht lumpen lassen. NEWS will daher eine Luftbrücke ermöglichen, um schwer verletzte Kinder, sobald der irakische Luftraum wieder offen ist, nach Österreich zu bringen. Ärzte, Krankenhäuser und Transportmöglichkeiten stehen bereit, wenn Fellner mit dem kleinen Finger winkt, auch das Außenministerium hat versprochen, bürokratische Hürden aus dem Weg zu räumen.

Das alles war gewiss sehr bemüht und bringt dem Unternehmen womöglich mehr ein als die 70.000 Euro, die die NEWS-Leser zugunsten der schwer verwundeten Kinder im Irak aufgebracht haben. Aber wie man mit dem kleinen Finger winkt, um österreichische Politiker zur Belebung des Geschäfts auf Trab zu bringen, das beherrscht Cato noch immer besser. Unter dem Aufmacher Österreich hilft: Luftbrücke für irakische Kinder demonstrierte er Fellner am Wochenende, wie 's gemacht wird. Da zeigte ein Foto die Pastellikone vom Ballhausplatz, wie sie einem seriös gekleideten Herrn ein Dokument von - wie könnte es anders sein - welthistorischer Bedeutung unter die Nase hielt, nämlich ein Exemplar der "Kronen Zeitung".

Um der Leserschaft die geistige Verarbeitung dieses Ereignisses zu erleichtern, war als Text beigegeben: "KRONE"-AKTION für die Kinder im Irak findet das Interesse von UNO-Chef Kofi Annan. Außenministerin Ferrero-Waldner flog nach New York, um Österreichs Beitrag für die dringende Irakhilfe zu besprechen. Dabei unterrichtete sie Kofi Annan auch über die Spendenaktion der "Kronen Zeitung".

Im Blattinneren tat der vom Sekretär der Sozialistischen Internationale zum "Krone"-Korrespondenten in New York avancierte Hans Janitschek sein Bestes, den kleinen Unterschied zwischen Österreich als Ganzem und Dichand als solchem weiter zu verwischen. Mit Begeisterung nahm UNO-Chef Kofi Annan den Bericht der Außenministerin über die bereits angelaufene Hilfsaktion Österreichs für die leidenden Kinder des Iraks zur Kenntnis. Er zeigte besonderes Interesse für die aktive Teilnahme der "Kronen Zeitung" und sprach allen Beteiligten - welchen, blieb leider offen - seinen Dank aus.

Um das zu überbieten, müsste Fellner schon Herbert Haupt ins Pentagon beamen, wo er Paul Wolfowitz das begeisterte Geständnis entlockt, gegen "NEWS" verkörpere der "Playboy" eine Achse des Öden - und er spreche allen Beteiligten seinen Dank aus. Statt dessen musste man sich mit jener billigen Häme begnügen, die herausgeberischer Brotneid zeugt. Warum Ferrero-Waldner um teures Steuergeld nach New York jettete, ist vorerst unergründbar, versucht "NEWS" diese Woche der Marketenderin der "Krone" am Zeug zu flicken, wider besseres Wissen, heißt es doch im selben Atemzug, sie habe vor einem verdattert statierenden Kofi Annan Marketingoffensive in eigener Sache betrieben, und zwar schon sehr erfolgreich.

Um, wenn schon nicht in den USA, so wenigstens hierorts zurückzuschlagen und die Außenministerin für ihre raffinierten, wenn auch nicht stets auf ihrem Mist gewachsenen diplomatischen Finten zu bestrafen, wärmt "NEWS" wieder einmal Erwin Pröll, Waltraud Klasnic und - besonders gemein - Margot Klestil-Löffler als mögliche Konkurrenz in der Nachfolge Thomas Klestils auf. Damit ist Dichand freilich nicht zu treffen, das bügelt er mit einem Gugelhupf aus, ganz egal, wer 's wird.

Und auch wo es um den Papst geht, glaubt "NEWS", ein Hauch vorösterlicher Blasphemie könnte christlich-catonische Einfalt aus dem Feld schlagen. Von einer Papst-Auferstehung schwärmte am Gründonnerstag das Magazin, von einem Osterwunder, weil Johannes Paul trotz Parkinson wieder voll da ist. Aber nur im Titel. Im Text ist es nur noch ein "Artikulationswunder", und nicht einmal ein Wunder, vielmehr wurde die bisherige IPS-Medikation völlig neu konzipiert. Ergebnis: Verbesserung der Gesichtsmimik, Verschlechterung der Motorik. Der Papst bewegt sich seit Tagen praktisch nur noch im Rollstuhl. Dafür hatte die "Krone" schon vor Tagen eine bessere Erklärung: Das Resultat eisernen Trainings.
(DER STANDARD, Printausgabe, 18.4.2003)

Von Günter Traxler
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