Intervention am kanadischen Strommarkt

17. April 2003, 19:39
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Ausfälle häufen sich - Notgeneratoren sollen kurzfristige Blackouts verhindern helfen

Trotz eines seit Mai 2002 liberalisierten Strommarktes in Kanada sieht sich die Verwaltung des Bundesstaates Ontario immer wieder gezwungen, am Markt zu intervenieren. Für den heurigen Sommer werden Dutzende Notstromgeneratoren in Parks aufgestellt, um einer drohenden Stromknappheit entgegenzusteuern. Noch beruhigt Energieminister John Baird, dass die Versorgung klappen werde, trotzdem wird vorgesorgt. Die Notgeneratoren sollen kurzfristig bis zu 20 Prozent mehr Kapazität bereitstellen können.

Toronto im Dunkeln

Hintergrund dieser Maßnahme ist, dass im Vorjahr Toronto plötzlich im Dunkeln war. Der Sommer war extrem heiß, die Klimaanlagen liefen auf Hochtouren. Die Kapazitäten im kurz zuvor liberalisierten Strommarkt reichten nicht aus, die Stadt zu versorgen. Die Preise stiegen damals dramatisch, die Regierung in Ontario sah sich gezwungen, die Preise einzufrieren - und zwar gleich bis 2006. Seither zahlen die potenziell 11,4 Mio. Kleinverbraucher 4,3 kanadische Cents pro kW/h (drei Eurocent). Was nach 2006 mit den Preisen geschieht, ist unklar.

Zu diesen Problemen kommt ein weiteres: Das Atomkraftwerk außerhalb Torontos, aus dem 37 Prozent der Stromversorgung bestritten werden, fährt wegen Reparaturarbeiten mit verminderter Leistung. Neben der Atomkraft wird die Energie zu 26 Prozent aus Wasserkraft und zu 36 Prozent aus fossilen Brennstoffen und Gas gewonnen, weist die Statistik des Energieministeriums aus.

Erneuerbare Energie gefragt

Nur ein Prozent des Stroms wird aus erneuerbarer Energie wie Windkraft und Biomasse gewonnen. Jill Pritchard-Scott vom Energieministerium registriert zunehmend Nachfrage der Konsumenten nach dieser Energieform. Die Konsumenten müssten allerdings bis zum dreifachen des Preises dafür zahlen, sagte Pritchard- Scott dem STANDARD.

Geld für Biostrom

Für Biostrom gibt es staatliche Unterstützung. 200 Mio. kanadische Dollar wurden seit Herbst 2000 in Form von Steuer- und Gebührenerleichterungen für Biostromproduzenten gewährt. Ziel sei es, bis zu acht Prozent des Stroms aus biologischen Ressourcen zu gewinnen, sagte Neil Ross Hutchings, Experte für erneuerbare Energien im Ministerium. Dem Bedürfnis der Konsumenten, die Herkunft des Stroms zu kennen, wird künftig mit einer Stromauszeichnung - ähnlich wie in Österreich auf der Stromabrechnung - entgegengekommen.

Projektleiterin Stefanie Prosen erklärt, dass künftig Stromlieferanten vor Abschluss des Liefervertrages mit dem Endverbraucher ihre Stromzusammensetzung deklarieren müssen - und zwar unter Garantie. Derzeit befindet sich dieser Gesetzesvorschlag in Begutachtung. Nach Ansicht Prosens wird er bis Jahresende vom Parlament beschlossen. Dieses gesetzlich festgelegte "tracking system" soll den Weg des Stromes vom Produzenten bis zum Endverbraucher nachverfolgbar machen.

"Wer für Windenergie den teuren Preis zahlt, soll dafür auch Windenergie bekommen", meint Prosen. Dennoch kommt aus der Steckdose immer dasselbe Endprodukt, damit die Klimaanlage funktioniert. Egal ob aus Wind oder Atomenergie gewonnen. (DER STANDARD Print-Ausgabe, 18.4.2003)

Andrea Waldbrunner aus Toronto
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