Kirche: Landkonflikt wird in Brasilien immer blutiger

17. April 2003, 19:04
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Weiterer MST-Führer ermordet - Protestmarsch anlässlich des 7. Jahrestags des "Massakers von El Dorado"

Brasilia - Der Konflikt um Land wird in Brasilien nach einer Studie der katholischen Kirche wieder blutiger. Allein im ersten Quartal 2003 seien in dem südamerikanischen Land im Kampf um Land 13 Menschen getötet worden, heißt es in einem am Donnerstag in Brasilia veröffentlichten Bericht der Pastoralen Landkommission (CPT). Das seien vier Morde mehr als im Vorjahreszeitraum. Bei den Opfern handele es sich um Landarbeiter, Indianer und Goldsucher, hieß es.

Weiterer Führer laut Medienberichten ermordet

Nach Medienberichten vom Donnerstag wurde am Mittwoch im Bundesstaat Pernambuco im Nordosten Brasiliens ein weiterer Führer der Landlosenbewegung ermordet. Givanildo Lima sei mit einem Kollegen aus einem Bus gezerrt und vor den Augen vieler Kinder "regelrecht hingerichtet" worden, hieß es. Sein Freund habe schwer verletzt überlebt. Ein Angehöriger der Landlosenbewegung MST sei außerdem am Dienstag im nördlichen Bundesstaat Pará erschossen worden.

"Massaker von El Dorado"

Die CPT veröffentlichte die Studie am 7. Jahrestag des "Massakers von El Dorado", das als das blutigste Kapitel in der Geschichte des Landkonflikts gilt. Anlässlich des Jahrestags organisierte die Landlosenbewegung am Protestmärsche, an denen am Donnerstag zehntausende Menschen teilnahmen.

19 Tote bei Auflösung einer Staßenblockade von Bauern

Polizisten hatten am 17. April 1996 in El Dorado de Carajás in Pará eine Straßenblockade von 1500 Bauern brutal aufgelöst. 19 Menschen starben, Hunderte wurden verletzt. 143 des Massakers beschuldigte Polizisten wurden im vergangenen Jahr mangels Beweises freigesprochen. Zwei Polizeichefs wurden zwar zu Haftstrafen von bis zu 228 Jahren verurteilt. Sie legten aber Berufung ein und sind weiter auf freiem Fuß. Der Landkonflikt hat seit der Rückkehr des Landes zur Demokratie 1985 nach Schätzung von Menschenrechtsgruppen das Leben von rund 1200 landlosen Bauern gefordert.(APA/dpa)

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