Dichand bleibt elf Jahre "hochaktuell"

18. April 2003, 13:53
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Reportage des "Krone"-Chefs aus der Sahara erschien schon einmal 1992

Leserbriefe sind Hans Dichand, Herausgeber und Hälfteeigentümer der "Krone", so besonderes Anliegen, dass er sie gemeinhin auch selbst redigiert. Mittwoch freute sich dort Robert Stefanovics über Dichands "interessanten und zudem noch hochaktuellen Reisebericht" vom vergangenen Sonntag. Stefanovics irrt.

"Die Sahara ist voller Gefahren" betitelte Dichand diesen Sonntag seine Reportage, stellte ein Zitat von Antoine de Saint-Exupéry voran und hob an: "Ein harter, glühender Sahara-Tag lag hinter uns. Die Wüste, diese große Leere, in der das Licht herrscht und seine Farben das Sandmeer beleben, faszinierte uns jede Stunde neu."

Ganz so hochaktuell, wie Herr Stefanovics meint, kann das Werk mit dem ohnehin eher zeitlosen Einstieg nicht sein: Am 19. Jänner 1992 war "Die Botschaft der Sahara" Aufmacherstory der sonntäglichen Krone bunt. Autor Hans Dichand stellte dasselbe Zitat von Antoine de Saint-Exupéry voran und hob an: "Ein harter, glühender Sahara-Tag lag hinter uns. Die Wüste, diese große Leere, in der das Licht herrscht und seine Farben das Sandmeer beleben, faszinierte uns jede Stunde neu."

Hochaktuell wird die jüngere Variante des Oeuvres mit drei eingeflickten Absätzen über die Vermissten in der Sahara und über ausgeraubte Motorradfahrer. Ein kleines Sternchen danach signalisiert dem gedächtnisstarken "Krone"-Leser, dass er den Rest wortgleich schon aus 1992 kennt. Hingewiesen wird er darauf nicht. Bis auf winzige Streichungen und Korrekturen könnte er die Geschichte kennen: 1992 legte Dichand den Schlafsack in den Sand, 2003 entrollt er ihn, man wird nicht jünger, auf Liegen.

Neu ist die Passage "Wir fahren die so genannte Gräberpiste entlang ...": Die war 1992 ja noch nicht durch Entführungsfälle bekannt: "Es ist die Gegend, wo auch die Vermissten sich zum letzten Mal gemeldet hatten." Nicht ganz woanders unterwegs war Dichand gewiss, schon in der alten Variante kommt er im Ort Illizi vorbei, der auch heute eine Rolle spielt.

Die Leuchtkugeln eines verletzten Motorradfahrers flogen schon 1992 durch die Nacht. "Großartige Einsamkeit" indes strich Dichand 2003 - wie auch "wilde Tänze" von Tuareg zu "grillenhaften Tönen" ihrer Frauen. (Harald Fidler/DER STANDARD, Printausgabe, 18.4.2003)

  • (Zum Vergrößern)Auch nach elf Jahren noch "hochaktuell": Dichands Reportage 1992 (li.) und 2003.

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    Auch nach elf Jahren noch "hochaktuell": Dichands Reportage 1992 (li.) und 2003.

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