Melkitischer Patriarch: Christlich-islamische Front aufbauen

17. April 2003, 16:18
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Syrische Christen über Vorgehen der USA sehr besorgt

Damaskus - Vor dem Hintergrund der Empörung in der arabischen Welt über den Irak-Krieg und der Drohungen der USA gegen Syrien hat der in Damaskus residierende Patriarch der mit Rom unierten Melkiten, Gregorios III. Laham, zum Aufbau einer gemeinsamen christlich-muslimischen Front aufgerufen. In seiner Osterbotschaft übte der ehemalige Patriarchalvikar von Jerusalem auch harte Kritik an Israel, wie Kathpress berichtet. "Wir sind machtlos angesichts der täglichen Katastrophen der Palästinenser. Es ist uns auch nicht möglich, die internationale Gemeinschaft zu beeinflussen, um eine Lösung im palästinensisch-israelischen Konflikt zu finden".

Der Krieg gegen den Irak am Beginn des dritten christlichen Millenniums sei "ein Zeichen der Niederlage für die Menschheit. Wir sind davon überzeugt, dass die Wurzeln dieser Niederlage im Verlust der geistlichen, ethischen und menschlichen Werte liegen. Die Ungerechtigkeit, die Sünde, die Ausbeutung, der Glaube an die eigene Überlegenheit und der Stolz sind stark angewachsen. Wir brauchen ein Erwachen des durch Glauben und biblische Inspiration erleuchteten Gewissens. Wir müssen eine gemeinsame Front des Glaubens, gebildet von Christen und Muslimen, aufbauen, die sich dieser moralischen Degeneration widersetzt", schreibt der melkitische griechische-katholische Patriarch von Antiochien, Gregorios III. Laham, der ebensi wie die beiden anderen in Syrien residierenden Patriarchen von Antiochien, Ignatios IV. Hazim (griechisch-orthodox) sowie Ignatios Zakka I. Iwas (syrisch-orthodox) die üblichen offiziellen Osterempfänge abgesagt hat.

Der melkitische griechisch-katholische Erzbischof von Aleppo, Jean-Clement Jeanbart, kritisierte in einem Interview mit der Schweizer katholischen Nachrichtenagentur KIPA/APIC die "Desinformationspolitik" der Washingtoner Regierung. Die Christen in Syrien seien besorgt über die US-Anschuldigungen, das Land verfüge über Massenvernichtungswaffen und unterstütze das gestürzte irakische Regime. Wie ihre muslimischen Landsleute befürchten auch Syriens Christen, dass Washington mit "Lügen" das Terrain für ein militärisches Eingreifen in Syrien vorbereite. Der Erzbischof erinnerte daran, dass bereits im Fall der irakischen "Massenvernichtungswaffen" US-Außenminister Colin Powell vor dem UNO-Sicherheitsrat "Beweise" präsentiert habe, die sich als grobe Fälschungen entpuppt hätten. In Syrien habe man jedenfalls Angst, zur nächsten Zielschreibe der US-amerikanischen Truppen zu werden. (APA)

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    Gregorios III. Laham: "Die USA versuchen, mit Lügen das Terrain für eine militärische Intervention vorbereiten"

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