Amerikas dunkle Seiten

17. April 2003, 17:20
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Neue Alben von den Burning Brides, von Cursive und von Smog

BURNING BRIDES
Fall Of The Plastic Empire
(V2/Zomba)
Gitarrist und Sänger Dimitri Coats kommt zwar vom Theater und Bassistin Melanie Campbell gar vom Modern Dance, der Musik des mit wechselnden Schlagzeugern arbeitenden Trios aus Philadelphia hört man diese Vergangenheit aber in keinem Moment an. Zäher und nicht unterzukriegender Kaputtnikrock im Bannkreis Iggy & Stooges und frühe Black Sabbath mit einem Schuss mehr Melodie und Sonnenschein und einigen unterstellt neueren Einflüssen wie Sonic Youth. Wir nennen das Ganze Mudhoney mit dezenterem Distortion-Pedal, sind aber glücklich, dass auf dem vorliegenden Album hübsche, mahlende und durch Chorgesang veredelte Sommerhits wie "Blood On The Highway" oder "Stabbed In The Back Of The Heart" zu finden sind.

CURSIVE
Presents The Ugly Organ
(Saddle Creek/Ixthuluh) Tim Kasher kommt aus dem Freundeskreis von Conor Oberst und dessen landauf landab geschätzter Leonard-Cohen-Country-Bigband Bright Eyes. Ka- sher führt hier die Tradition von Hard- und melodiösem Emocore in klassischer Quartettbesetzung weiter (Bring back Fugazi!), erweitert das doch etwas enge Spektrum dieser historisch gut abgehangenen Stile aber um offen gehaltene, atmosphärisch mitunter gar in feierliche Kirchenmusikwelten reichende (Instrumental-)Parts wie im hymnischen "Staying Alive". Eine Orgel und das wunderbare Cello von Gretta Cohn ergänzen getragen. Schlüsseltext: "And now, we proudly present songs perverse and songs of lament. A couple of hymns of confessions, and songs that recognize our sick obsessions." Großartiges Album.

SMOG
Supper
(Domino/Zomba) Nach seinem wunderbarem, schwarzhumorigen und herzerwärmenden Meisterwerk "Dongs Of Sevotion" schob der amerikanische Eigenbrötler Bill Callahan mit "Rain On Lens" ein sperriges, abweisendes Album nach. Und auch die aktuelle Raritätensammlung "Accumulation: None" spielte sich nicht unbedingt in das Herzstück der Smog-Sammlung. Jetzt ist alles wieder gut. Elegische Country-Todeswalzer, dieses Mal mit Chören und viel Pedalsteel-Gitarre und Klavier. Der Name Van Morrison tauchte in diesem Zusammenhang auch schon auf: "That's a good song - without you by my side." Sollte man haben. (DER STANDARD, Printausgabe, 18.4.2003)

Von
Christian Schachinger
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