Banken verärgert über KirchMedia-Interessent Saban

17. April 2003, 14:10
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Gläubigerinstitute werfen US-Investor Veränderung der Bedingungen vor

Die Übernahme der KirchMedia durch den US-Milliardär Haim Saban könnte in letzter Sekunde noch scheitern. Die Gläubigerbanken kritisieren, Saban weiche von den ursprünglichen Vereinbarungen ab und versuche mit einem neuen Geschäftsplan die Bedingungen zu verschlechtern.

"Den Banken ist es sehr ernst", hieß es am Donnerstag aus Finanzkreisen. Wenn Saban bei seiner Haltung bleibe, würden sich die Banken nach Alternativen umschauen. Vor der Entscheidung für Saban hatten die Banken zunächst mit dem Bauer-Verlag verhandelt.

Verärgert sind die Banken, dass Saban unter anderem Veränderungen bei der Höhe und Dauer der Rückzahlung nachrangiger Kredite sowie der Behandlung der Altschulden vorgenommen hat. Man sei bereit, weiter zu verhandeln, aber nur zu den Bedingungen, die ursprünglich vereinbart worden seien, hieß. Der Zeitplan sei eng. Die DZ-Bank hatte sich als Konsortialführerin in einem Brief an Saban erstaunt über den neuen Geschäftsplan gezeigt.

In Verhandlungskreisen hieß es, die Saban-Seite gehe nach wie vor davon aus, dass man sich so einige wie besprochen. Ziel sei es, die Verhandlungen im vereinbarten Rahmen und Zeitplan zügig zu Ende zu führen. Was jetzt in Form des Briefes durchgesickert sei, sei nur ein Ausschnitt. Die Verhandlungen seien sehr komplex. Details müssten noch geklärt werden, dabei könnten Punkte auftreten, die kontrovers seien.

Bisher hatte es so ausgesehen, dass der Deal unter Dach und Fach wäre. Der Gläubigerausschuss hatte Ende März grundsätzlich die Übernahme des Fernsehkonzerns ProSiebenSat.1 und des ehemaligen Kirch-Filmrechthandels durch Saban genehmigt. Branchenkreise gehen dabei von einem Gesamtpreis von rund zwei Mrd. Euro aus.

Unterdessen bestätigte die dem italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi gehörende Mediaset Gespräche mit Saban über eine mögliche Übernahme von Kirchs Filmbibliothek. Finanzchef Marco Giordani hatte am Mittwoch allerdings auch erklärt, es gebe noch eine große Kluft zwischen Sabans Vorstellungen und denen von Mediaset. Mediaset werde nicht jeden Preis für einen Eintritt auf dem deutschen Markt zahlen. In Verhandlungskreisen hieß es, Saban sei von einer Vielzahl von Investoren angesprochen worden und führe mit kleineren Zahl vertiefte Gespräche. (APA/AP)

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