Serbien droht Klagenflut

17. April 2003, 14:46
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Bereits 100.000 Klagen wegen verstaatlichtem Eigentum nach dem Zweiten Weltkrieg vorbereitet

Belgrad - Der serbische Staat dürfte sich demnächst mit einer Unmenge von Klagen konfrontiert sehen, die sich auf das nach dem Zweiten Weltkrieg nationalisierte Eigentum beziehen. Der Leiter der "Liga zum Schutz vom Privateigentum", Slavenko Grgurevic, hat gegenüber der Tageszeitung "Dnevnik" (Donnerstag-Ausgabe) erklärt, dass diese nichtstaatliche Organisation bereits 100.000 Klagen gegen den Staat vorbereitet habe.

Djindjic wollte Entschädigung durch Wertpapiere

In Serbien ist die Frage der Rückerstattung von verstaatlichtem Privateigentum nicht geregelt worden. Der ermordete Regierungschef Zoran Djindjic hatte Anfang des Jahres eine Rückerstattung des Eigentums ausgeschlossen, allerdings die Entschädigung ehemaliger Eigentümer durch Wertpapiere in Aussicht gestellt. Grgurovic behauptet andererseits, dass diese Form der Entschädigung für die ehemaligen Eigentümer nicht akzeptabel sei. In letzter Instanz wollen sich die Liga-Mitglieder auch an das Menschenrechtsgericht in Straßburg wenden. Bisher seien schon etwa 1.000 solcher Klagen vorbereitet worden, sagte Grgurovic.

Unterlagen über Besitzrichte zumeist vernichtet

Das Problem des ehemaligen Privateigentums ist tatsächlich enorm. Während Eigner von Industriebetrieben noch gewisse Chancen auf Entschädigung haben, haben ehemalige Besitzer von Wohnungen so gut wie keine Erfolgsaussichten. Die entsprechenden Unterlagen über Besitzrechte wurden nach dem Weltkrieg zumeist vernichtet. Nach dem Weltkrieg waren gerade in Belgrad etliche Familien aus ihren Privatwohnungen zwangsausgesiedelt worden. (APA)

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