Papst: Kein Abendmahl mit Protestanten

17. April 2003, 17:11
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Katholischer Oberhirte gibt sich in 14. Enzyklika streng: Priester, die "interzelebrieren", machen sich eines schweren Vergehens schuldig

Trotz der strengen Abgrenzung zu den Protestanten in der neuen Papstenzyklika sehen die katholischen Bischöfe die Ökumene nicht gefährdet

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Vatikanstadt - Papst Johannes Paul II. hat in seiner 14. Enzyklika der Idee eines "gemeinsamen Abendmahls" von Katholiken und Protestanten eine eindeutige Absage erteilt. Der Papst ermahnt in dem Dokument alle Katholiken, nicht einer "Zweideutigkeit über die Natur der Eucharistie Vorschub zu leisten". Das Kirchenrecht lasse in dieser Frage keinen Raum für Unklarheiten, schreibt der Papst.

Katholiken dürften nicht am evangelischen Abendmahl teilnehmen. Hintergrund des Konflikts sind unterschiedliche theologische Auffassungen über das Abendmahl und die Rolle des Priesters. Nach katholischer Lehre verwandelt der Priester durch seine Worte bei der Eucharistiefeier Hostie und Wein in Leib und Blut Jesu. Die Protestanten kennen das Mysterium nicht.

"Schweres Vergehen"

Aus diesem Grund ist für die katholische Kirche eine "Interzelebration" kirchenrechtswidrig: Wenn ein katholischer Priester die Eucharistie mit einem protestantischen Amtsträger, der nach katholischem Verständnis als Laie keine priesterlichen Vollmachten hat, "konzelebriert", dann täuscht er eine Eucharistie nur vor, die nach katholischem Glauben ungültig ist. Der Vatikan hatte erklärt, dass katholische Priester, die mit protestantischen Geistlichen die Eucharistie "konzelebrieren", sich eines "schweren Vergehens" schuldig machen.

Die Bischofskonferenzen konfessionell gemischter Länder haben darauf verwiesen, dass mit der Enzyklika "Ecclesia de Eucharistia" und der Absage an eine Abendmahlsgemeinschaft mit den Protestanten keine Türen des ökumenischen Miteinanders zugeschlagen werden. Der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, betonte am Donnerstag, Johannes Paul II. wolle "das Feuer der ökumenischen Hoffnung auf dem Weg zur sichtbaren Einheit der Kirche nicht mindern". Die Enzyklika biete "klare Grundlinien für einen ökumenischen Dialog in Liebe und Wahrheit", betonen die Schweizer Bischöfe in ihrer Stellungnahme. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hält gegenwärtig eine Verständigung mit Rom über das Amtsverständnis und damit eine gemeinsame Abendmahlfeier für nicht möglich. In einer ersten EKD-Reaktion hieß es, das Rundschreiben sei in weiten Teilen durch eine strenge und pointiert katholische Abendmahlstheologie geprägt. (dpa, AFP/DER STANDARD, Printausgabe, 18.4.2003)

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    Der Papst droht den katholischen Priestern: Wer mit evangelischen Geistlichen "interzelebriert", macht sich eines schweren Vergehens schuldig.

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