Berlin kritisiert Wien: Kritik an Ferrero-Waldners "Indiskretionen"

17. April 2003, 19:42
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Die Nerven liegen blank - Deutsche Sicherheitsbehörden befürchten, dass sich die Entführer an ihren Geiseln rächen könnten

Wien/Berlin/Algier - Im Fall der 31 in der algerischen Sahara entführten Touristen - zehn Österreicher, 16 Deutsche, vier Schweizer und ein Niederländer - liegen nun auch bei offiziellen Vertretern der betroffenen Länder die Nerven blank. Der Spiegel berichtet über "diplomatische Verstimmungen zwischen Deutschland und Österreich", weil Außenministerin Benita Ferrero-Waldner (VP) eine vereinbarte Nachrichtensperre durchbrochen habe.

Hintergrund

Hintergrund: In der vergangenen Woche hatte die Außenministerin nach einem Algerienbesuch von einem Lebenszeichen der österreichischen Opfer in der Wüste berichtet - DER STANDARD berichtete. In dieser versteckten Nachricht vom 8. April hieß es sinngemäß: "Wir sind am Leben." In Berlin habe man nun "mit Empörung auf die Indiskretion der Ministerin" reagiert, hieß es. Man befürchtete, dass die Entführer sich an den Geiseln rächen könnten.

Übereinkunft der Länder

Anders als der deutsche Innenminister Otto Schily, der jede Stellungnahme nach seiner Algerienreise verweigert hatte, berichtete die österreichische Außenministerin über hinterlassene Nachrichten der Vermissten in der Wüste. In Berlin sei die Empörung groß, da es zwischen den Ländern eine Übereinkunft gibt, keine Details über den Verlauf der Fahndung nach den vermissten Touristen bekannt zu geben, um die Fahndung in keiner Weise zu behindern.

Keine Reaktion im Wiener Außenamt

Im Wiener Außenamt gab es zunächst dazu keine Reaktion. Die Kritik aus deutschen Regierungskreisen kam überraschend, denn bis auf das "Lebenszeichen", das zuallererst von algerischen Medien veröffentlicht worden war, gingen auch die österreichischen Behörden bisher äußerst vorsichtig mit Informationen um. Bisher gab es nicht einmal eine offizielle Bestätigung, dass es sich überhaupt um eine Entführung handle. Noch Donnerstagvormittag hatte Ferrero-Waldner am Rande des EU-Gipfels in Athen gesagt, es gebe keine neuen Erkenntnisse. Nach algerischen Medienberichten sollen die Geiseln in zwei Gruppen geteilt worden sein. Möglicherweise stehe eine Befreiungsaktion bevor. (ina, simo, redderstandard.at, DER STANDARD Printausgabe 18.4.2004)

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