RektorInnensuche: Wo bleiben die Frauen?

17. April 2003, 12:15
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Steiermark: Medizin-Uni hat neun männliche Bewerber - Nur in Leoben kandidiert auch eine Frau

Graz - An den vier steirischen Universitäten ist die Bewerbungssituation um die Ämter der RektorInnen eindeutig männlich dominiert. An der künftigen Medizinuniversität - deren Ausschreibung gerade zu Ende gegangen ist - sind beispielsweise neun Bewerbungen eingegangen: Alle stammen von Männern. Ähnliche Ergebnisse liegen an der TU und der Universität für Musik und darstellende Kunst vor. Einzig die Leobener Montanuni hat eine Bewerberin vorzuweisen.

Absagen

"Wir haben gezielt drei Frauen, zwei aus der Schweiz und eine aus Deutschland, zu Bewerbungen aufgefordert. Alle haben abgesagt", so Karlheinz Tscheliessnigg, Vorsitzender des Gründungskonvents der künftigen Medizin-Uni. Man habe sich wirklich um weibliche Bewerbungen bemüht, "aber in Österreich ist das Potenzial der möglichen Rektorinnen für eine Medizinuniversität ja schon alleine mit den Posten für die Uniräte aufgebraucht", meint der Vorsitzende.

Unter den neun Bewerbern finden sich drei Kandidaten aus dem eigenen Haus, unter ihnen der jetzige Dekan der Fakultät. Die hausfremden Kandidaten stammen aus Österreich, Deutschland aber auch aus Kalifornien. "Wir haben einige erstklassige Manager dabei, eine Frage ist allerdings, ob wir sie mit einem Gehalt von rund 10.000 Euro brutto auch wirklich ködern können", so der Konvents-Vorsitzende. "Da muss man schon sehr in die Universität verliebt sein, um das zu machen", meint Tscheliessnigg.

Beraterfirma beauftragt

In die Auswahl der KandidatInn die dem Universitätsrat vorgeschlagen werden, ist eine Beraterfirma eingebunden, die ein umfangreiches Auswahlverfahren samt Telefoninterviews, Profil- und Potenzialanalysen erstellt hat. Ende April soll die Vorauswahl von fünf KandidatInnen getroffen sein, die dann zu einem Hearing in den Gründungskonvent geladen werden. "Eine Entscheidung wird es wohl noch im Mai geben", so der Vorsitzende.

Kein Grund für eine Neuausschreibung

Am 22. April findet eine Podiumsdiskussion mit den fünfzehn Rektors-KandidatInnen an der TU Graz statt. Ende Mai soll der Universitätsrat auch hier entscheiden. Bei der Vorsitzenden des Arbeitskreises für Gleichbehandlungsfragen der TU, Barbara Herzl, stößt das Fehlen von Bewerberinnen zwar auf Bedauern, sie sieht jedoch anders als beispielsweise die Karl-Franzens-Universität, keinen Grund zu einer Neuausschreibung: "Die Ausschreibung war deutlich genug in allen Medien zu lesen. Wer von den Frauen wirklich wollte, hatte auch die Möglichkeit, sich zu bewerben", so Herzl. Auch an der Kunstuni Graz begnügt man sich mit den drei männlichen Kandidaten - unter ihnen der langjährige Rektor Otto Kolleritsch.

Lediglich an der Leobener Montanuniversität kandidiert auch eine Frau. Die deutsche Wissenschafterin konkurriert gegen drei hausinterne Bewerbungen (der jetzige Rektor Wolfgang Pöhl, der ehemalige Studiendekan Wolfhard Wegscheider sowie Institutsvorstand Robert Danzer) und dem Zürcher Physiker Bert Müller. Öffentliche Hearings finden vom 12. bis zum 15. Mai statt.

An der Karl-Franzens-Universität wurde die Ausschreibung mit der Begündung, das sich keine Frau beworben habe, wiederholt. Die Bewerbungsfrist endet mit dem 23. April. (APA)

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