Im Keller

21. April 2003, 15:35
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Institutionen, die Wein unter die Menschen bringen sollen, boomen. Vier Beispiele

"Za wos brauch i des" könnten sich manche denken, angesichts der Tatsache, dass kaum ein Winzer wirklich Nein sagt, wenn man sonntags um halbeins nach "Stoff" verlangt und forsch erwartet, zum Kellerrundgang geladen zu werden. Angesichts der immer höheren Zahl an Institutionen, die zu großzügigen Öffnungszeiten Wein anbieten, erscheint diese Haltung doch etwas frech.

Allein im Nordburgenland wurden seit März 2002 drei Vinotheken eröffnet - mit unterschiedlichen Intentionen. Das Weinwerk in Neusiedl am See wurde als gesamtburgenländische Vinothek, das Weinkulturhaus Gols und der Weinclub 21 in Podersdorf sind als Ortsvinotheken konzipiert. Während in Vinotheken mit größerem Einzugsbereich sortimentsmäßig durchaus einiges zu erwarten ist, sollte man nicht zu große Hoffnung hegen, aus Ortsvinotheken ausschließlich mit den Top-of-the-Pop-Erzeugnissen der Renommierbetriebe rauszuspazieren. Einerseits sind ohnehin icht immer alle Produkte verfügbar. Und Aufgabe dieser Häuser ist es, die Bandbreite eines Gebietes zu zeigen und dazu die Interessen vieler Mitglieder des Weinbauvereins und der Gemeinde abzudecken. Ein spannendes Betätigungsfeld für Wein-Entdecker sind Ortsvinotheken in jedem Fall.

Vorbildlich renoviert

Das Weinkulturhaus in Gols ist in einem der alten traditionellen Bauernhäuser untergebracht und wurde inklusive der darunter liegenden Gewölbe vorbildlich renoviert und atemberaubend ausgestattet. Rund 300 Weine von 86 Golser Winzern werden angeboten, wobei jeder Betrieb mit vier Produkten seiner Wahl vertreten ist.

"Kultur und Wein zu verbinden" hat man sich laut Franz Kast, Geschäftsführer im Weinwerk Burgenland in Neusiedl, zur Aufgabe gemacht. Funktionelle Modernität findet in einem fränkischen Hof aus dem 16. Jahrhundert statt. Das Sortiment wird von den Betreibern, dem Kulturveranstaltungsverein impulse und dem Weinbauverein, "sehr aktiv bestimmt", so Kast. "Erwünschte Weine" würden direkt bestellt, Anwärter auf Aufnahme müssten sich in Blindverkostungen bewähren.

"Natürlich sind Ortsvinotheken wichtig", befindet die Winzerin Judith Beck vom Pannobile-Weingut Beck in Gols, "als Präsentationsmöglichkeit und zur Entlastung der Betriebe." Eine Ansicht, die auch von Thomas Klinger, dem Marketing-Verantwortlichen im Weingut Bründlmayer, geteilt wird. Außerdem kann "mehr Angebot eine Region nur attraktiver macher", ergänzt Klinger.

Weinerlebniswelt Loisium

In Langenlois wird es neben dem etablierten Ursinhaus ab September 2003 auch das Loisium geben. Das Loisium-Gebäude, vom New Yorker Architekten Steven Holl entworfen, gleicht einer monolithischen "Schuhschachtel" und steht - höchst reizvoll - mitten im Weingarten. In den darunter liegenden Kellergewölben, die bis zu 900 Jahre alt sind, wird eine Art Wein-Erlebniswelt inszeniert. Dazu kommen ein Café und eine Vinothek. Sowohl Wolfgang Schwarz, Geschäftsführer im Ursinhaus, als auch Brigitte Schlögl, Geschäftsführerin des Loisium, stellen übereinstimmend fest, als ergänzende Parts in einem Gesamtkunstwerk "Wein" in der Region aufzutreten. Während das Ursinhaus weiterhin als Gebietsvinothek für das Kamptal zuständig ist, bietet man neben dem Erlebnis Wein im Loisium Weine aus ganz Niederösterreich mit Schwerpunkt auf Grünem Veltliner.

Errichtung, Umbau bzw. Renovierung all dieser Beispiele, egal ob sie nun von Vereinen, privatwirtschaftlich geführt sind oder im Zusammenhang mit Institutionen wie Banken oder Gemeinden betrieben werden, kamen mit öffentlichen Förderungen von Seiten des Landes, des Bundes, der EU bzw. einer Kombination aus allen zustande. Anlaufstellen dafür sind die EU-Strukturfonds wie der Europäischer Ausrichtungs- und Garantiefonds für die Landwirtschaft (EAGFL) oder dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE), die Förderungen gewähren, wenn Maßnahmen zur "Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit des Agrarsektors sowie solche zur nachhaltigen Entwicklung des ländlichen Raumes" getroffen werden. Bewerben können sich z.B. Institutionen oder Vereine, sofern sie etwas mit "Agrar" am Hut haben.

Auch die Investitionskosten von 9,2 Millionen Euro in das Loisium, das auf Privatinitiative dreier Familien entstanden ist, wurden mit 3,2 Mio. Euro u.a. aus dem Eco-Plus unterstützt. Bewähren soll sich die Einrichtung, die rund 140.000 Besucher jährlich in die Region locken soll, allerdings nach privatwirtschaftlichen Grundsätzen, so Geschäftsführerin Schlögl. (Luzia Schrampf, Der Standard/rondo/18/04/2003)

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